Zoyi ZT-706S
Beitrag
Bei Arbeiten an elektronischen Systemen ist ein Oszilloskop oft eines der wichtigsten Werkzeuge, um einen Einblick in die Funktionsweise zu bekommen. Ein normales Oszilloskop ist wegen Größe, Preis und Stromversorgung für den mobilen Einsatz eher weniger geeignet. Hier bietet sich ein kompaktes Gerät für die Werkzeugtasche an.
Bei dem Zoyi ZT-706S handelt es sich um eine überarbeitete Version des ZT-703S. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen eine höhere Auflösung des Multimeters sowie ein eigenständiger Funktionsgenerator.
Übersicht
Das Gerät wird in einem großen Karton mit dem nötigen Zubehör geliefert, sodass man sofort loslegen kann. Für die Nutzung des zweiten Kanals ist jedoch ein weiterer Tastkopf erforderlich.
- Tastkopf 60 MHz 10x/1x mit Zubehör
- Messleitungen
- USB-C Ladekabel
- Bedienungsanleitung (Englisch)
- Tasche
Die ausführlich bebilderte Anleitung vermittelt einen guten Überblick über die verschiedenen Funktionen. Vieles lässt sich jedoch schon intuitiv durch Ausprobieren herausfinden. Die Tasche ist zwar eher einfach verarbeitet, erfüllt aber ihren Zweck. Mit allem Zubehör wird es darin allerdings etwas eng.
Von außen betrachtet unterscheidet sich das ZT-706S von seinem Vorgänger lediglich durch die Farbgebung. Auf die roten Akzente wurde verzichtet, sodass das Gerät nun komplett in Schwarz erscheint.
Das Gehäuse mit einer Größe von 177 × 89 × 40 mm besteht überwiegend aus einem festen Kunststoff (ABS), der in manchen Bereichen im Overmoulding-Verfahren mit einem weicheren Kunststoff (TPE) ummantelt wurde. Das Gerät wiegt 391 g und ist somit bestens für den mobilen Einsatz geeignet. Die Verarbeitung wirkt insgesamt sehr solide. Lediglich die Kunststoffscheibe vor dem Display zeigt sich anfällig für Kratzer.
Die meisten Funktionen werden über Softkeys auf dem Display (F1 bis F4) sowie über Menüs mithilfe der Navigationstasten gesteuert. Die Power-Taste hat eine rote Hintergrundbeleuchtung, die allerdings ausschließlich der Anzeige des Ladefortschritts dient.
Auf der Rückseite des Geräts befindet sich ein Ständer zum Klappen, mit dem es sich in einem Winkel von ungefähr 45° aufstellen lässt. In manchen Situationen ermöglicht dies eine bessere Sicht auf das Display. Meistens ist das jedoch gar nicht nötig, da sich das große Farbdisplay mit einer Auflösung von 320 × 240 Pixeln und einer Diagonalen von etwa 3,2″ (81 mm) aus jeder Richtung gut ablesen lässt.
Oben sind zwei BNC-Anschlüsse für die beiden Eingänge des Oszilloskops zu finden. Wie schon beim ZT-703S besteht das Problem, dass sich BNC-Stecker aufgrund unzureichender Einbautiefe nicht richtig verriegeln lassen. Wer Zugang zu einem 3D-Drucker hat, kann sich jedoch einen passenden Ersatz-Einsatz drucken und das Problem damit beheben (im folgenden Foto bereits verbaut).
Hinter einer Abdeckung auf der rechten Seite gibt es einen USB-C-Anschluss, über den sich nicht nur der integrierte Akku laden, sondern auch Firmware-Updates installieren und Screenshots auf einen Computer übertragen lassen.
Direkt neben dem USB-Anschluss befinden sich ein Masse-Kontakt und der Ausgang des Funktionsgenerators. Die Nutzung des Funktionsgenerators kann daher etwas mühsam sein, da es keinen Ausgang mit BNC-Anschluss gibt.
Verbaut ist ein handelsüblicher 18650 Li-Ion-Akku mit 3400 mAh Kapazität, der in einem normalen Akkuhalter sitzt. Dadurch lässt er sich (nach Aufschrauben des Gehäuses) problemlos austauschen.
Wie schon beim Vorgänger ist ein Laderegler mit einer Ladeschlussspannung von 4,35 V verbaut (MICRONE ME4086B). Diese liegt über der für den verbauten Akku vorgesehenen maximalen Spannung von 4,20 V, was zu einer Überladung des Akkus führt. Trotz vorhandener Schutzelektronik lässt sich eine Beschädigung des Akkus oder zumindest eine verkürzte Lebensdauer nicht ausschließen.
Ein großer Vorteil akkubetriebener Oszilloskope ist, dass sie nicht geerdet sind. Dadurch kann die Masse auch mit einem anderen Potential verbunden werden. Allerdings ist dennoch Vorsicht geboten: Intern sind die Masseanschlüsse beider BNC-Buchsen sowie die Masse des USB-Ports miteinander verbunden.
Oszilloskop
Hauptmerkmal des ZT-706S ist die Oszilloskopfunktion mit zwei Kanälen bei einer Bandbreite von 50 MHz. Die Erwartungen sollte man allerdings realistisch halten: Es handelt sich hierbei um ein einfaches Gerät mit grundlegenden Funktionen. Gerade im mobilen Einsatz eignet sich das Gerät dennoch oft sehr gut, um schnell einen ersten Eindruck von einer Schaltung zu gewinnen. Für Einsteiger könnte es vielleicht sogar als alleiniges Gerät ausreichen.
Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gestaltet. Wer bereits mit einem Oszilloskop gearbeitet hat, sollte sich schnell zurechtfinden. In der Statusleiste am oberen Bildschirmrand werden der Betriebszustand, das Aufnahmefenster, die Zeitbasis, die Triggerkonfiguration sowie der Akkuladestand angezeigt. Unten befindet sich eine Anzeige für die eingestellte Empfindlichkeit und den Funktionsgenerator sowie die Bildschirmtasten des Menüs.
Es gibt zwei Menüs, zwischen denen mit der Menü-Taste gewechselt wird: Das erste legt die Funktion der Cursortasten fest. Die Bildschirmtasten werden passend zum gewählten Kanal eingefärbt. Das zweite Menü bietet Zugriff auf die Einstellungen des Geräts. Mit den Tasten für Rechts und Links blättert man durch die einzelnen Seiten.
Abgesehen von einer Ausnahme sind diese Menüs identisch zum Vorgänger. Der Menüpunkt „Output Settings“ wurde durch „Format Begin“ ersetzt, da der Funktionsgenerator nun über einen eigenen Modus verfügt. Die Funktion formatiert ohne Nachfrage den internen Speicher.
Ist „VOL/TIME“ ausgewählt, kann mit den Cursortasten die horizontale und vertikale Skalierung eingestellt werden. Die Zeitbasis lässt sich in festgelegten Stufen zwischen 10 ns/div und 20 s/div festlegen. Ab 200 ms/div wechselt das Oszilloskop automatisch in einen Rolling-Mode. Eine XY-Darstellung ist ebenfalls vorhanden. Die Empfindlichkeit kann zwischen 20 mV/div und 10 V/div gewählt werden. Weder für die Zeitbasis noch für die Empfindlichkeit lassen sich variable Werte einstellen.
Mit der „MOVE“-Funktion lässt sich die Anzeige jedes Kanals sowohl horizontal als auch vertikal verschieben. Durch längeres Gedrückthalten der F2-Taste wird die Darstellung vertikal zentriert, mit der MENU-Taste erfolgt die Zentrierung in horizontaler Richtung.
Das Oszilloskop bietet die üblichen Trigger-Modi: Auto, Normal und Single. Getriggert werden kann wahlweise auf die steigende oder fallende Flanke des Signals. Mit der „TRIG“-Funktion lässt sich der Triggerpunkt verschieben. Praktisch: Hält man die Taste gedrückt, wird der Triggerpunkt automatisch auf die halbe Amplitude des Signals gesetzt.
Der Eintrag „CURSOR“ ermöglicht das Verschieben der Cursor. Es lassen sich wahlweise zwei horizontale, zwei vertikale oder beide Cursorpaare gleichzeitig einblenden. Angezeigt wird jedoch lediglich die Differenz der beiden Cursorpositionen – die absoluten Werte der einzelnen Cursor werden leider nicht dargestellt.
Es stehen acht grundlegende Messfunktionen zur Verfügung, von denen bis zu vier gleichzeitig aktiviert werden können: Vpp, Vmax, Vmin, RMS, FCNT, Duty, Period und Freq.
Auf Kosten eines höheren Stromverbrauch lässt sich mit dem „High Speed Mode“ die Abtastrate von 200 MSa/s („bis zu 30 MHz“) auf 280 MSa/s („bis zu 50 MHz“) erhöhen.
Die FFT-Funktion ist kaum erwähnenswert. Zwar zeigt sie ein Spektrum an, jedoch fehlen jegliche Beschriftungen und Einstellmöglichkeiten. Dadurch ist die Funktion in der Praxis leider nahezu nutzlos.
Das Oszilloskop verhält sich nahezu identisch zu seinem Vorgängermodell mit aktueller Firmware. Hinsichtlich des Funktionsumfangs lassen sich keine Unterschiede feststellen. Gelegentlich wirkt der Trigger etwas stabiler, dafür die Aktualisierungsrate in manchen Fällen etwas niedriger. Neu ist eine Filterung bei sehr schwachen Signalen. Liegen alle Messwerte nahe Null, wird das Signal als horizontale Linie dargestellt.
Leider wurden bereits vom ZT-703S bekannte Schwächen nicht behoben. Abgesehen von der Triggerqualität müssen beispielsweise nach wie vor beide Kanäle manuell aktiviert werden, bevor sich die Kalibrierung starten lässt. Werden die Messfunktionen erst aktiviert und dann wieder deaktiviert, erscheint an deren Stelle in Screenshots lediglich ein schwarzer Bereich. Weiterhin fehlen grundlegende mathematische Operationen wie Add und Invert, mit denen sich die beiden Signale kombinieren lassen. Auch die rudimentäre FFT-Funktion wurde nicht verbessert.
Funktionsgenerator
Der Funktionsgenerator ist nun ein eigenständiger Modus, der aber auch unabhängig im Hintergrund weiter läuft. In die Einstellungen gelangt man über einen Druck auf die „Mode“-Taste.
Zur Verfügung stehen die Funktionen Sine mit bis zu 10 MHz, Square, Triangle, Half und Full Wave bis 2 MHz und Sawtooth bis 200 kHz.
Die Amplitude lässt sich in 100 mV Schritten bis zu 5 V einstellen (wobei die Sägezahnfunktion einen deutlichen Overshoot zeigt). Jedoch ist die Auflösung des DAC recht begrenzt, wodurch deutliche Stufen zu erkennen sind. Beim Rechtecksignal lässt sich der Duty Cycle anpassen, allerdings mit einem Off-by-One-Fehler.
Wird die Amplitude auf einen Wert kleiner als 500 mV eingestellt, wird ein falsches Ausgangssignal erzeugt.
Zusammengefasst sollte der Funktionsgenerator eher als kleine Spielerei betrachtet werden. Lediglich das Rechtecksignal könnte in manchen Anwendungsfällen nützlich sein.
Multimeter
Zudem lässt sich das ZT-706S auch als vollwertiges Multimeter einsetzen. Ein kurzer Druck auf die Mode-Taste wechselt in den DMM-Modus wobei die gewählte Einstellung auch nach einem Neustart erhalten bleibt. Messen lassen sich Spannung, Strom, Widerstand, Kapazität und Frequenz – überwiegend mit 66 000 Counts! Auch ein akustischer Durchgangsprüfer mit schneller Reaktion (latched) und eine Diodenmessung mit Signalton sind vorhanden.
Die Erweiterung des Anzeigebereichs von 25 000 auf 66 000 Counts ist besonders bei Anwendungen mit 3,3 oder 5 V interessant, da somit eine weitere Nachkommastelle zur Verfügung steht. Andererseits hat das keinen Einfluss auf die absolute Genauigkeit.
Unter der großen Darstellung des aktuellen Messwerts wird das Minimum, Maximum, der Durchschnitt sowie gegebenenfalls die Frequenz eines wechselnden Signals angezeigt. Das obere Drittel des Bildschirms wird von einer simulierten Analoganzeige eingenommen. Sie wird gleichzeitig mit der digitalen Anzeige dreimal pro Sekunde aktualisiert und reagiert damit für meinen Geschmack etwas zu träge.
Auch eine relative Messung und ein Einfrieren der Anzeige (Hold) sind möglich. Der Messbereich wird standardmäßig automatisch gewählt, kann aber auch manuell eingestellt werden.
Sowohl beim Wechsel in den Strommessmodus als auch zurück in den Spannungsmessmodus erscheint nun kurzzeitig ein Hinweis auf die korrekte Belegung der Anschlüsse. Das ersetzt zwar keine aktive Überwachung der Steckerbelegung, ist aber immer noch besser als gar keine Warnung.
Durch langes Drücken der „Mode“-Taste wird auf der unteren Hälfte des Bildschirms eine grafische Darstellung der Messwerte über die letzten 40 Sekunden (rollend) angezeigt. Mit dieser praktischen Funktion lassen sich Änderungen der Messwerte und deren Trend leicht wahrnehmen. An den Umschaltpunkten zwischen den Messwertbereichen kommt es zu ungültigen Werten, die in das Diagramm übernommen werden. Abhilfe schafft die manuelle Messbereichswahl.
Hardware
Ein Blick ins Innere des Geräts zeigt kleinere Änderungen am Platinenlayout, zumindest auf der sichtbaren Seite. Die Isolation zum Spannungseingang wurde durch einen zusätzlichen Slot leicht verbessert, insgesamt ist die Absicherung aber eher minimal gehalten.
Sinnvolle Modifikationen umfassen den Austausch des Kunststoffeinsatzes rund um die BNC-Buchsen gegen eine 3D-gedruckte Variante mit mehr Platz, das Kürzen der Feder in der Akkuhalterung zur Verringerung der mechanischen Belastung des Kunststoffs sowie den Austausch des Ladereglers gegen die korrekte 4,2 V Variante.
Fazit
Das Zoyi ZT-706S ist keine Neuentwicklung, sondern vielmehr als Facelift des ZT-703S zu verstehen. Verbessert wurde insbesondere der Multimeter-Modus, der nun eine Auflösung von 66 000 Counts bietet. Zudem lassen sich sämtliche Funktionen des Funktionsgenerators auch parallel zum Oszilloskop-Modus nutzen.
Leider hat Zoyi das Update nicht genutzt, um bekannte Schwächen des Vorgängers zu beheben. So treten weiterhin Darstellungsfehler auf, welche die Nutzung erschweren und aussagekräftige Messungen teilweise sogar unmöglich machen. Auch der Funktionsgenerator und die FFT-Funktion lassen sich in der Praxis kaum sinnvoll einsetzen.
Bereits kleinere Anpassungen und Erweiterungen der Firmware könnten den praktischen Nutzen des Geräts spürbar steigern und das gesamte Nutzungserlebnis deutlich verbessern.
Dennoch ist das Gerät keineswegs unbrauchbar. Für viele Anwendungen dürfte es völlig ausreichend sein, insbesondere als kostengünstige Lösung für den mobilen Einsatz.
Das Gerät wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review stellt meine eigene Meinung dar.