26 Januar 2026 19:21

Zoyi ZT-R02

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Ob beim Testen von Taschenlampen, der Untersuchung von fehlerhaften elektronischen Schaltungen oder um Wärmebrücken in der Hausdämmung zu finden: In vielen Situationen ist es hilfreich, die Temperatur von Objekten zu bestimmen. Das kann entweder ganz klassisch mit einem Thermometer geschehen, aber auch kontaktlos mittels Infrarot-Thermometer oder Wärmebildkamera.

Für ein Thermometer ist ein physischer Kontakt und eine gute Wärmeübertragung nötig. Ein Infrarotthermometer lässt sich auch auf Distanz einsetzen, misst aber ebenfalls nur an einer Stelle. Erst mit einer Wärmebildkamera gewinnt man einen guten Eindruck über die Wärmeverteilung eines Objekts.

Übersicht

Vor knapp einem dreiviertel Jahr hat sich mir eine neue Welt eröffnet, als ich das Zoyi ZT-R01 für einen Test erhielt. Temperatur ließ sich nicht mehr nur fühlen oder punktuell messen – nun konnten Wärmequellen leicht und zuverlässig gefunden werden. Trotz der relativ geringen Auflösung war mir das Gerät nicht nur privat ein hilfreiches Werkzeug, es wurde auch regelmäßig auf der Arbeit eingesetzt.

Mit dem ZT-R02 gibt es nun einen Nachfolger mit höherer Auflösung des Wärmebildsensors. Geliefert wird das Gerät in einem bedruckten Pappkarton inklusive folgendem Zubehör:

  • Messleitungen
  • USB-C Ladekabel
  • Bedienungsanleitung
  • Tasche

Die Bedienungsanleitung liegt nur auf Englisch vor, ist jedoch verständlich geschrieben und beinhaltet viele erklärende Bilder. Durch die zwischenzeitliche Weiterentwicklung der Firmware entsprechen manche Abschnitte nicht mehr dem aktuellen Stand. Ein Großteil der Bedienung ist jedoch selbsterklärend.

Das Gehäuse mit einer Größe von 149 × 76 × 33 mm besteht aus zwei Komponenten: einem festen Kunststoff (ABS) in Rot, der im Overmoulding-Verfahren mit einem weicheren, schwarzen Kunststoff (TPE) ummantelt wurde. Das Gerät wiegt 200 g. Die Verarbeitung wirkt insgesamt sehr solide. Lediglich die Kunststoffscheibe vor dem Display zeigt sich anfällig für Kratzer.

Äußerlich sind das ZT-R01 und das ZT-R02 fast identisch: Es gibt leichte Unterschiede in der Beschriftung und die Farben des Gehäuses wurden invertiert. Form, Größe und Gewicht sind hingegen gleich.

ZT-R01 und ZT-R02

Auf der Rückseite des Geräts befindet sich ein Ständer zum Klappen, mit dem es sich in einem Winkel von ungefähr 45° aufstellen lässt. In manchen Situationen ermöglicht dies eine bessere Sicht auf das Display. Meistens ist das jedoch gar nicht nötig, da sich das große Farbdisplay mit einer Auflösung von 320 × 240 Pixeln aus jeder Richtung gut ablesen lässt.

Für längere Messungen mit der Wärmebildkamera wäre ein Stativgewinde (1/4″ UNC) praktisch gewesen, um das Gerät passend zu positionieren.

Hinter dem Ständer verbirgt sich ein USB-C-Anschluss. Über diesen wird nicht nur der eingebaute Akku (2000 mAh LiPo) geladen, sondern es lassen sich auch Firmware-Updates durchführen und Screenshots herunterladen.

Die Bedienung erfolgt über sieben übersichtlich angeordnete Tasten auf der Vorderseite. Ihre Größe und Position sagt nicht unbedingt etwas über ihre Funktion aus. Die Power-Taste verfügt über eine rote Hintergrundbeleuchtung, um den laufenden Ladevorgang zu signalisieren.

Wärmebildkamera

Die Hauptfunktion des ZT-R02 ist die Wärmebildkamera, mit der sich die Wärmeabstrahlung von Objekten als zweidimensionales Bild darstellen lässt. Im Vergleich zu einem Infrarotthermometer lässt sich dadurch ein besserer Eindruck über die Wärmeverteilung gewinnen.

Der Sensor verfügt über eine Auflösung von 96 × 96 Pixeln mit einer Aktualisierungsrate von 25 Bildern pro Sekunde und einem Öffnungswinkel von 50° × 50°. Neben der Kameralinse befindet sich auf der Rückseite zudem noch eine weiße LED zur Beleuchtung der Umgebung, falls mit dem Multimeter in dunklen Ecken gemessen werden muss.

Für die Darstellung stehen acht Farbpaletten zur Verfügung. Sie haben die (teils fantasievollen) Bezeichnungen White Fever, Black Heat, Blue, Iron Red, Colour, Red Hot, Merge und Rainbow. Zudem lässt sich die Intensität der Anzeige und die Displayhelligkeit einstellen.

Der Messbereich wird vom Gerät basierend auf minimaler und maximaler Temperatur automatisch festgelegt. Dadurch kann sich die Darstellung schlagartig ändern, wenn sich ein besonders heißes oder kaltes Objekt in das Bild bewegt oder es verlässt. Eine manuelle Bereichswahl würde die Interpretation in manchen Situationen deutlich erleichtern.

Neben dem Wärmebild werden die Temperatur im Zentrum sowie die minimale und maximale Temperatur im Messbereich angezeigt. Im Bild sind die entsprechenden Punkte mit einem kleinen Symbol markiert. Die Marker lassen sich auf Wunsch auch deaktivieren. Die Beschriftung der Legende wäre mit den tatsächlichen Temperaturen anstatt „Min“ und „Max“ hilfreicher gewesen.

Screenshots können über ein langes Drücken der „SAVE“-Taste aufgenommen und später über USB heruntergeladen werden. Außerdem lassen sie sich über den integrierten Browser direkt auf dem Gerät betrachten.

Durch kurzes Drücken der „SAVE“-Taste wird auf der unteren Hälfte des Bildschirms ein Diagramm des Temperaturverlaufs im Zentrum der letzten 20 Sekunden angezeigt. Darüber lässt sich beispielsweise bestimmen, wie schnell sich ein Objekt erwärmt oder abkühlt.

Je nach Material unterscheidet sich die Wärmeabstrahlung der gemessenen Objekte. Dieser Emissionsgrad lässt sich von 0,10 bis 1,00 in 0,01-Schritten im Menü einstellen. Einige Materialien können direkt aus einer Liste ausgewählt werden, weitere Werte lassen sich dem Handbuch oder Tabellen aus dem Internet entnehmen.

Beim Einschalten dauert es einige Sekunden, bis der Wärmebildsensor initialisiert ist. Während der Nutzung wird die Messung regelmäßig kurz unterbrochen, um den Sensor erneut zu kalibrieren. Dabei wird der Sensor durch einen Verschluss verdeckt, was als leises Klicken zu hören ist.

Seit der Firmwareversion V016 gibt es einen Vollbildmodus, bei dem das Bild auf die volle Displaygröße gestreckt wird. Natürlich entstehen durch das geänderte Seitenverhältnis deutliche Verzerrungen. Die Messwerte werden links oben im Bild eingeblendet, aber nicht mit in den Screenshots abgespeichert.

Vollbildmodus ab V016

Beim Vorgängermodell ZT-R01 betrug die Auflösung des Wärmebildes zwar nur 32 × 32 Pixel, wurde dafür aber mit einem zusätzlichen Kamerabild kombiniert. Somit konnten kleinere Details zur Orientierung genutzt werden, auch wenn sich ihre Temperatur nicht von der Umgebung unterschied. Wegen des Parallaxenfehlers mussten die Bilder je nach Messdistanz per Hand über eine Einstellung im Menü aneinander ausgerichtet werden.

Dank der deutlich höheren Auflösung des Wärmebildsensors lassen sich mit dem ZT-R02 jedoch oftmals mehr Details erkennen. Gerade bei vielen kleinen Wärmequellen oder harten Kontrasten macht sich die höhere Auflösung bemerkbar.

Vergleich zwischen ZT-R01 (links) und ZT-R02

Multimeter

Das ZT-R02 ist nicht nur eine kompakte Wärmebildkamera, sondern auch ein vollwertiges digitales Multimeter (DMM). Ein langer Druck auf die linke Taste wechselt in den DMM-Modus. Die Auswahl der Betriebsart bleibt bei einem Neustart erhalten.

Messen lassen sich Spannung, Strom, Widerstand, Kapazität und Frequenz – überwiegend mit 25 000 Counts! Auch ein Durchgangsprüfer mit schneller Reaktion (latched) und eine Diodenmessung sind vorhanden. Unter der großen Darstellung des aktuellen Messwerts wird das Minimum, Maximum, der Durchschnitt sowie gegebenenfalls die Frequenz des Signals angezeigt.

Auch eine relative Messung und ein Einfrieren der Anzeige (Hold) sind möglich.

Eine manuelle Wahl des Messbereichs ist leider nicht möglich. Die automatische Bereichswahl reagiert zudem recht träge, ebenso die Aktualisierungsrate der Messwerte im Allgemeinen. Kurze Spitzen im Signal sind dadurch kaum zu erkennen.

Durch kurzes Drücken der „SAVE“-Taste wechselt die untere Hälfte der Anzeige zu einer grafischen Darstellung der Messwerte über die letzten 80 Sekunden. Mit dieser praktischen Funktion lassen sich Änderungen der Messwerte und deren Trend leicht wahrnehmen. Wegen der trägen Umschaltung des Messbereichs ist die Darstellung von manchen Signalen leider stark verzerrt.

Unterhalb der Tasten befinden sich die vier 4 mm-Buchsen für die Messleitungen. Sie haben den üblichen Abstand von 19 mm und sind dadurch mit Zubehör anderer Hersteller kompatibel.

Die mitgelieferten Messleitungen sind von einfacher Art. Das 65 cm lange Kabel mit einem Außendurchmesser von 3 mm fühlt sich etwas steif an. Die Spitzen (14 × 2 mm) sind in Ordnung. Aufsteckbare Schutzkappen erweitern die zulässige CAT-Messkategorie von „CAT II 600V“ auf CAT II 1000V / CAT III 600V“. Trotzdem wird das Gerät bei mir eher nur bei Kleinspannung zum Einsatz kommen.

Fazit

Dank einer im Vergleich zum Vorgängermodell neunmal so hohen Auflösung von 96 × 96 Pixeln ermöglicht das Zoyi ZT-R02 einen detaillierten Blick in die Welt der Temperatur. Mit der Wärmebildkamera lassen sich Wärmequellen oder Kältebrücken präzise lokalisieren. Auch wenn sich der Funktionsumfang im Wesentlichen auf die Anzeige der Messwerte beschränkt, ist der praktische Nutzen hoch.

Darüber hinaus beinhaltet das ZT-R02 auch ein digitales Multimeter zur Messung von Spannung, Strom, Widerstand, Kapazität und Frequenz. Messwerte können in einem Diagramm grafisch dargestellt werden, sodass sich Auffälligkeiten oder ein Trend leicht erkennen lassen.

Das Gerät wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review stellt meine eigene Meinung dar.

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