15 Februar 2026 18:38

Nitecore EDC07

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Die EDC-Serie von Nitecore wurde im letzten Jahr gewaltig ausgebaut. Neu hinzugekommen ist nun die EDC07 – eine Taschenlampen, die sich in mehreren Punkten von den Schwestermodellen unterscheidet.

Der Charakter der Lampe ist weniger taktisch, die Bedienung einfach und klassisch. Man könnte sie sogar ein wenig als verbindendes Glied zu den kleineren Modellen für den Schlüsselbund sehen.

Lieferumfang und Hardware

Für das Review wurde mir ein Vorserienmodell zur Verfügung gestellt, das ohne Verpackung und Anleitung geliefert wurde. Die Bedienungsanleitung liegt mir als PDF in zehn Sprachen vor (EN, ES, DE, FR, RU, UA, IT, EL, PL, ZH) und beschreibt alle Funktionen leicht verständlich. Die Lampe ist aber so intuitiv zu bedienen, dass man die Anleitung fast nicht benötigt. Als Zubehör sind ein USB-C Ladekabel sowie eine Handschlaufe im Lieferumfang enthalten.

Mit ihrem langen, flachen Gehäuse ist die EDC07 in der Hosentasche kaum zu spüren. Damit ist sie runden Modellen mit gleicher Akkukapazität im Vorteil. Viele Designelemente sind vertraut, wenn man die EDC-Serie bereits kennt, beispielsweise das Fischgrätenmuster oder die Zahnung an den Seiten.

Auch wenn beim Design eine gewisse Ähnlichkeit zu anderen Lampen der EDC-Serie besteht, so gibt es doch einen gravierenden Unterschied: Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff. Zwar gab es auch an früheren Modellen Kunststoffteile, ein Großteil bestand allerdings aus pulverbeschichtetem Stahlblech. Mit einem Kunststoffgehäuse hatte ich nicht gerechnet, sodass ich anfangs etwas überrascht und irritiert war. Aber das Material hat auch Vorteile: Die Lampe ist mit lediglich 70 g sehr leicht und das Gehäuse wird im Betrieb nicht so schnell heiß.

Größe & Gewicht
Länge: 120 mm
Breite: 30 mm
Dicke: 16 mm
Gewicht: 70 g

Mit 120 mm ist die EDC07 doch länger, als ich zunächst vermutet hatte. Bezogen auf Funktion und Leistung lässt sie sich am ehesten mit der Nitecore EDC09 vergleichen. Beide verwenden zwei MCT-LEDs mit einstellbarer Farbtemperatur und haben eine ähnliche Helligkeit. Die kürzere EDC09 passt etwas besser in meine Hosentasche.

UltraFire S3 | Nitecore EDC23 | Nitecore EDC07 | Nitecore EDC09 | Wurkkos HD01

Eine grobe Zahnung an den Seiten sorgt für eine hervorragende Griffsicherheit auch bei feuchten Bedingungen. Ansonsten fühlt sich der Kunststoff trotz der matten Oberfläche eher glatt an. Apropos Gefühl: Ich muss zugeben, dass sich ein Metallgehäuse definitiv hochwertiger anfühlt. Aber auf die Funktion hat das natürlich keinen Einfluss.

Auch die Designelemente auf der Vorderseite erhöhen die Griffigkeit der Lampe ein wenig, geben ihr aber hauptsächlich etwas mehr Charakter.

Der Heckschalter ist von einem hervorstehenden Rand umgeben, der ein versehentliches Einschalten erschwert und einen Tailstand möglich macht. Die Bedienung wird dadurch kaum beeinträchtigt.

Ein Clip aus Metall sichert die Lampe in der Hosentasche und ermöglicht einen schnellen Zugriff. Er befindet sich weit hinten, sodass die Lampe nicht aus der Tasche herausragt. Der Clip ist einfach und funktional, ohne dick auftragende Zwei-Wege-Funktion, die in den meisten Fällen eh nicht benötigt wird. Einzig die Öffnung steht etwas weit ab – hier bevorzuge ich ein Z-förmiges Design.

Der Clip kann auch genutzt werden, um eine Handschlaufe an der Lampe zu befestigen. Die Anleitung beschreibt, wie sich die Schnur am besten durch die Löcher fädeln lässt.

Auf der Rückseite der Lampe befindet sich ein USB-C-Anschluss zum Laden des fest integrierten Akkus. Eine Silikonabdeckung schützt ihn vor Wasser und Schmutz.

Leider wurde keine Zwei-Komponenten-Abdeckung mit fester Außenseite aus Kunststoff verbaut, wie sie auch bei anderen Modellen der EDC-Serie zu finden ist. Die griffige Silikonabdeckung steht etwas hervor und öffnet sich daher leicht von selbst, wenn die Lampe aus der Tasche gezogen wird.

Mit einem Ladestrom von bis zu 1,75 A ist der Akku mit einer Kapazität von 1500 mAh schon nach etwas über einer Stunde wieder vollständig geladen. Der Fortschritt lässt sich jederzeit an den vier grünen Status-LEDs auf der Vorderseite ablesen. Währenddessen kann die Lampe normal genutzt werden.

Die EDC07 erfüllt laut Hersteller die Schutzart IP67. Damit besteht ein „Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen“, was für eine EDC-Taschenlampe in der Regel ausreichen sollte. Sie soll zudem Stürze aus bis zu zwei Meter Höhe überstehen.

Bedienung und Funktion

Über einen mechanischen Heckschalter wird die EDC07 ein- und ausgeschaltet. Es handelt sich um einen sogenannten „Forward Clicky“, ermöglicht also einen Momentanbetrieb, wenn der Schalter nicht komplett durchgedrückt wird. Dadurch lassen sich beispielsweise Lichtsignale mittels Blinken geben.

Der Schalter befindet sich ganz klassisch hinter einer Kappe aus Silikon. Die vollständige Betätigung erfordert einen vergleichsweise hohen Kraftaufwand von etwa 1600 cN und ist deutlich zu spüren und mit einem lauten Klicken zu hören.

Ein weiterer Taster mit Silikonoberfläche ist am vorderen Ende der Lampe zu finden und dient der weiteren Einstellung des Lichts. Auch er muss mit 1150 cN recht fest gedrückt werden.

Bei eingeschalteter Lampe führt ein kurzes Drücken des Seitentasters zur Änderung der Helligkeit mit den Stufen Low, Mid, High und Turbo. Ein Halten des Tasters ermöglicht die Anpassung der Farbtemperatur zwischen kalt, neutral und warm. Die gewählte Helligkeit und Farbe bleiben auch nach dem Ausschalten der Lampe gespeichert.

Durch Halten des Seitentasters beim Einschalten der Lampe wird die Ultralow-Stufe aktiviert. Wird der Taster weiter gedrückt gehalten, schaltet die Lampe nach zwei Sekunden in den Strobe mit einer variablen Frequenz von etwa 15 bis 20 Hz. Nach weiteren zwei Sekunden folgt schließlich ein SOS-Modus (eher ein „S-O-S-S-O-S“). Beide Blinkmodi werden beim Ausschalten der Lampe gespeichert, sind ansonsten aber nur über den recht umständlichen Weg zu erreichen. Ein direkter Zugriff auf den Turbo ist ebenfalls nicht vorhanden. Ein kurzer Druck auf die Seitentaste wechselt zurück zum Dauerlicht.

Einen elektronischen oder mechanischen Lockout gibt es nicht. Da der Heckschalter jedoch viel Kraft erfordert, ist die Lampe recht gut gegen unbeabsichtigtes Einschalten geschützt.

Nach dem Einschalten zeigen vier LEDs auf der Vorderseite der Lampe für drei Sekunden den ungefähren Ladestand des Akkus an.

AnzeigeLadestand
☼☼☼☼75% – 100%
☼☼☼50% – 75%
☼☼25% – 50%
10% – 25%
☼ blinkend< 10%

Die Kombination aus mechanischem Heckschalter und elektronischem Seitentaster ist bei vielen Lampen zu finden und intuitiv zu verstehen. Das häufige Umgreifen zwischen den beiden Schaltern empfinde ich in der Praxis jedoch mitunter als störend.

Deutlich besser gefällt mir beispielsweise das System der Nitecore EDC09, die einen Schiebeschalter zur Einstellung der Helligkeit und einen direkt daneben liegenden Taster zur Änderung der Lichtfarbe hat.

Lichtbild

Bei den beiden LEDs handelt sich um eine Eigenentwicklung von Nitecore mit der Bezeichnung „MCT UHE“, was vermutlich für „Multiple Color Temperature with Ultra High Efficiency“ steht. Diese LEDs haben diagonal angeordnet je zwei warmweiße und zwei kaltweiße Leuchtflächen, die getrennt voneinander angesteuert werden können. Dadurch lässt sich die Farbtemperatur in drei Stufen von kaltweiß (6500 K, CRI 73) über Neutralweiß (4500 K, CRI 83) bis Warmweiß (3000 K, CRI 97) anpassen.

Eine TIR-Optik mit kleinen Facetten vermischt die einzelnen Leuchtflächen, sodass eine homogene Lichtfarbe entsteht. Die Optik wird nicht durch eine Glasscheibe geschützt und verfügt somit auch über keine Antireflexbeschichtung. Dafür ist sie bruchfester als Glas und feine Kratzer sollten keinen allzu großen Einfluss auf das Lichtbild haben.

Das Lichtbild ist leicht flutig mit einem breiten Spot, der zum Rand hin sanft ausläuft. Die Lampe bietet eine angenehm gleichmäßige Ausleuchtung ohne Artefakte oder Farbverläufe. Die Färbung wirkt neutral, vielleicht sogar etwas rosig, auf jeden Fall nicht grün.

Im Vergleich zur sehr ähnlichen EDC09 ist die Optik etwas kleiner, wodurch das Lichtbild minimal flutiger ausfällt. Zudem ist die maximale Helligkeit der EDC07 geringfügig niedriger. In der Praxis sind diese Unterschiede jedoch kaum zu erkennen.

Im Gegensatz zu Lampen mit getrennten verschiedenfarbigen LEDs haben die MCT-LEDs den Vorteil, dass ihre Leuchtflächen näher beieinander liegen. Dadurch lässt sich das Licht homogener mischen und es entstehen keine störenden Farbschatten.

Durch ihr breites Lichtbild eignet sich die EDC07 vor allem für kurze bis mittlere Entfernungen – etwa zum Lesen, zur Suche in Schränken oder zur Ausleuchtung des Weges auf einem nächtlichen Spaziergang.

Treiber und Laufzeit

Zur Art des Treibers macht der Hersteller keine genauen Angaben und bezeichnet ihn lediglich als „highly efficient constant current circuit“. Je nach gewählter Farbtemperatur unterscheiden sich Helligkeit und Reichweite, während die Laufzeit gleich bleibt. In der Tabelle sind nacheinander jeweils die Werte für kalte, neutrale und warme Einstellung angegeben.

kalt / neutral / warm
¹ Herstellerangabe      ² Nach ANSI FL1
ModusHelligkeit¹Laufzeit¹Intensität¹ (Reichweite²)
Turbo 1500 lm
1300 lm
1000 lm
2:15 h 4410 cd
3930 cd
3184 cd
(132 m)
(125 m)
(112 m)
High 300 lm
260 lm
220 lm
2:45 h 898 cd
789 cd
624 cd
(60 m)
(56 m)
(50 m)
Mid 80 lm
65 lm
55 lm
11 h 229 cd
196 cd
156 cd
(30 m)
(28 m)
(25 m)
Low 15 lm
13 lm
11 lm
52 h 44 cd
36 cd
30 cd
(13 m)
(12 m)
(11 m)
Ultralow 1 lm 360 h 2 cd (3 m)

Die Helligkeit wird in allen Stufen außer Turbo über nahezu die gesamte Laufzeit konstant gehalten. Erst kurz vor Ende wird sie in mehreren Stufen reduziert.

Die Abstufungen unterscheiden sich leicht von denen der EDC09, wodurch ein direkter Vergleich nicht leicht ist. Trotz des größeren Akkus der EDC07 fallen die Laufzeiten recht ähnlich aus. Die zusätzliche Kapazität sorgt lediglich für eine etwas höhere Helligkeit in den jeweiligen Stufen.

Im Turbo wird die Helligkeit nach etwa einer halben Minute in Abhängigkeit zur Kühlung allmählich reduziert. Die Änderung erfolgt dabei nicht sprunghaft, sondern erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Minuten.

Hinsichtlich der Wärmeabfuhr ist das Kunststoffgehäuse einem Gehäuse aus Metall unterlegen. Mithilfe einer Wärmebildkamera lässt sich eingeschränkt ein Blick ins Innere werfen: Auf der Vorderseite scheint sich eine große Metallplatte zu befinden, die als Heatspreader fungiert. Bei der Benutzung wird die Lampe zwar warm, lässt sich aber jederzeit angenehm in der Hand halten, ohne sich zu verbrennen.

Wärmebild mit Zoyi ZT-R02

Alle Stufen werden vom Treiber ohne PWM geregelt. Bei leerem Akku schaltet sich die Lampe ab, um eine Tiefentladung zu verhindern. Durch den fest verbauten Akku war eine Messung der Stromaufnahme oder der Abschaltspannung nicht möglich.

Fazit

Die Nitecore EDC07 hält einige interessante Überraschungen bereit: Zwei MCT-LEDs mit einstellbarer Farbtemperatur erzeugen ein angenehmes, leicht flutiges Lichtbild. Die klassische Bedienung über den Heckschalter ist leicht zu verstehen. Dank des Kunststoffgehäuses ist die Lampe mit lediglich 70 g bemerkenswert leicht. Allerdings erfordert die Haptik zunächst etwas Gewöhnung, um die Wertigkeit der Lampe zu erkennen. Der Strobe ist gut versteckt und somit für den praktischen Einsatz nur eingeschränkt von Nutzen.

Als Alternative bietet sich die Nitecore EDC09 an, die ebenfalls MCT-LEDs verwendet und ein fast identisches Lichtbild liefert. Mit einem Schiebeschalter zur Helligkeitseinstellung lässt sie sich etwas komfortabler bedienen und ein beweglicher Kopf macht sie flexibel einsetzbar.

Die Lampe wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review stellt meine eigene Meinung dar.

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