Sofirn SK31
Beitrag
Mit der SK31 liefert Sofirn eine taktische Taschenlampe für den anspruchsvollen Einsatz, so zumindest die Idee. Ein zweistufiger Hecktaster, einhändig bedienbare Tastensperre und ein Edelstahlbezel sind nur einige der interessanten Details.
Eine genauere Betrachtung offenbart jedoch Aspekte bei der Bedienung, die sich in der Praxis als problematisch erweisen können.
Lieferumfang und Hardware
Die Lampe wird in einer Retailverpackung mit einem vakuumgeformten Einsatz geliefert. Das Zubehör befindet sich auf der Rückseite des Einsatzes.
- Sofirn 21700 Li-Ion Akku (5000 mAh, ungeschützt, flat-top, bei Lieferung 3,77 V)
- Zwei-Wege-Clip (bereits montiert)
- Handschlaufe
- Gürtelholster
- USB-C Ladekabel
- 2x Ersatz-O-Ring
- Bedienungsanleitung (EN, CN, RU, DE, FR, ES, IT, JP, PT)
Die Anleitung besteht aus einem 48 × 24 cm großen Stück Papier, das beidseitig bedruckt ist. Ergänzend zum Text wird die Bedienung auch über Piktogramme und Diagramme erklärt. Diese wirken jedoch teilweise etwas unübersichtlich.
Schon beim Auspacken wird deutlich darauf hingewiesen, die Transportsicherung des Akkus vor der ersten Benutzung zu entfernen und die Lampe zu entsperren.
Die SK31 zeigt sich in einem zeitlosen Design. Das Gehäuse besteht aus Aluminium mit einer schwarzen Anodisierung. Eine feine Riffelung des Akkurohrs sorgt selbst bei feuchten Bedingungen für eine gute Griffsicherheit.
Mit einer Länge von 149 mm liegt die SK31 im Vergleich mit anderen taktischen Lampen im durchschnittlichen Bereich. Sie ist eher nichts für die Hosentasche und wird besser am Gürtel oder an der Weste getragen.
| Größe & Gewicht | |
|---|---|
| Länge: | 149 mm |
| Durchmesser (Kopf): | 36,0 mm |
| Durchmesser (Akkurohr): | 27,0 mm |
| Durchmesser (Tailcap): | 29,3 mm |
| Gewicht (ohne Akku): | 156 g |
| Gewicht (21700 Akku): | 69 g |
| Gewicht (gesamt): | 225 g |
Armytek Predator Pro Max | Nitecore P27iX | Sofirn SK31 | Nextorch TA30C Max | Klarus XT21X Pro
Der Bezel besteht aus schwarz beschichtetem Edelstahl, um die Lampe bei einem Sturz besser zu schützen. Dank seiner gezackten Kontur ist auch im Kopfstand ersichtlich, ob die Lampe eingeschaltet ist. Drei eingebette Kugeln aus Siliziumnitrid ermöglichen es, die Lampe als Glasbrecher einzusetzen. Diese sorgen allerdings dafür, dass die Lampe beim Kopfstand etwas unsicher steht.
Ein Highlight dieser Lampe ist die verschraubte Abdeckung des Ladeanschlusses. Dahinter verbirgt sich zudem eine versteckte Taste und eine Status-LED. Der Mechanismus läuft geschmeidig und erfordert lediglich eine Umdrehung zum vollständigen Öffnen. O-Ringe dichten die Abdeckung gegen Wasser ab.
An der Tailcap befinden sich ein zweistufiger Taster und ein kleiner Hebel für die Tastensperre. Trotz zweier Flügel ist die Lampe nicht in der Lage, auf ihrem Heck zu stehen. Grund dafür ist der hervorstehende Taster. In einem der Flügel befindet sich ein Loch zur Befestigung einer Handschlaufe
Der Zwei-Wege-Clip wird einfach auf das hintere Ende der Lampe gesteckt. Da der Clip weit hinten sitzt, hängt die Lampe mit dem Kopf nach oben recht unausgewogen. Einen einfacheren Clip mit einer größeren Öffnung hätte ich daher bevorzugt.
Ohne den Clip setzt sich die SK31 auf ebener Fläche leicht in Bewegung. Abgeflachte Seiten am Kopf könnten dieses Problem beheben.
Alternativ kann die Lampe in dem mitgelieferten Gürtelholster getragen werden. Es wird mittels Klett verschlossen und hat elastische Seitenteile, damit nichts wackelt.
Das Holster kann entweder über eine feste Schlaufe getragen werden, durch die der Gürtel gezogen wird, oder über eine zweite Schlaufe mit Druckknopf und Klettverschluss befestigt werden. Dadurch ist es auch MOLLE-kompatibel. Ergänzt wird das Ganze durch einen zusätzlichen D-Ring.
Über einen integrierten USB-C Anschluss kann der Akku direkt in der Lampe geladen werden. Er wird durch eine geschraubte Abdeckung vor Wasser und Schmutz geschützt. Diese Art der Abdeckung erscheint deutlich zuverlässiger als ein kleiner Stöpsel aus Silikon. Sollte jedoch jemals Schmutz hinter die Abdeckung geraten, könnte sie schwieriger zu reinigen sein.
Der Akku wird bei 5 V mit bis zu knapp 2 A geladen. Damit ist die Lampe nach weniger als drei Stunden wieder vollständig geladen und einsatzbereit. Der Fortschritt wird über eine LED signalisiert, die bei vollem Akku von Rot auf Grün wechselt. Während des Ladevorgangs schaltet sich die Lampe ab und kann nicht genutzt werden.
Das Akkurohr ist doppelwandig aufgebaut, um die Schaltersignale von der Tailcap zum Treiber zu übertragen. Die Tailcap und das Akkurohr sind miteinander verklebt, sodass sich die Lampe lediglich am Kopf auseinander schrauben lässt.
Auf beiden Seiten sorgen kräftige Federn für einen zuverlässigen Kontakt zum Akku. Die Lampe ist sowohl mit Flat- als auch mit Button-Top-Akkus kompatibel. Geschützte Akkus dürften aufgrund ihrer Länge hingegen nicht passen.
Eine taktische Lampe muss auch unter widrigen Bedingungen zuverlässig arbeiten. Die SK31 ist nach IPX8 bis zu einer Tiefe von einem Meter gegen Wasser geschützt. Zudem soll sie Stürze aus einer Höhe von bis zu 1,5 Metern überstehen.
Bedienung und Funktion
Bedient wird die SK31 über einen zweistufigen Hecktaster mit einer Kappe aus Silikon. Die erste Stufe reagiert bereits nach einem sanften Druck von lediglich 300 cN völlig geräuschlos. Die zweite Stufe benötigt mit rund 1650 cN einen deutlich stärkeren Druck und ist dabei deutlich zu hören und zu spüren. Direkt daneben befindet sich ein kleiner Hebel, mit dem die Tastensperre gesteuert wird.
Es gibt zwei Bedienarten: einen „Outdoor Mode“ für den Alltag und einen „Tactical Mode“ mit Direktzugriff auf Turbo und Strobe. Umschalten lässt sich der Modus über die versteckte Mode-Taste, die sich hinter dem verschraubten Ring befindet. Beim Drücken leuchtet sie Orange für den Outdoor-Mode und Blau für den Tactical-Mode. Sollte die Taste nicht reagieren, ist die Lampe vielleicht gesperrt.
Im Outdoor Mode wird die Lampe durch vollständiges Drücken des Tasters ein- und ausgeschaltet. Ein Antippen des Tasters wechselt bei eingeschalteter zur nächsten Helligkeitsstufe (Moonlight → Eco → Low → Mid → High → Turbo). Die zuletzt genutzte Helligkeitsstufe wird gespeichert.
Wird die Lampe im Tactical Mode genutzt, aktiviert die erste Stufe des Tasters den Turbo, während die zweite Stufe einen Zugriff auf den Strobe ermöglicht. Wird der Taster innerhalb von fünf Sekunden losgelassen, schaltet sich die Lampe sofort wieder aus. Wird er länger gedrückt gehalten, bleibt die Lampe auch nach dem Loslassen eingeschaltet. Im Turbo kann durch Antippen des Tasters auf Medium gewechselt werden, im Strobe stehen zusätzlich SOS und ein Blinklicht zur Verfügung. Ein vollständiges Drücken schaltet die Lampe wieder aus.
Im Strobe wechselt die Frequenz alle zwei Sekunden zwischen 7,5 und 15 Hz, um die desorientierende Wirkung zu verstärken. Wie so oft entspricht das SOS-Signal nicht dem Standard („SOS“ ohne Pause). Beim Beacon blitzt die Lampe alle zwei Sekunden einmal kurz auf.
Über den kleinen Hebel neben dem Hecktaster lässt sich die Lampe schnell und unkompliziert sperren und ebenso einfach wieder entsperren. In gesperrtem Zustand wird die Lampe automatisch ausgeschaltet und ein erneutes Einschalten verhindert. Dadurch lässt sich die Lampe sicher in der Tasche transportieren, ist aber dennoch schnell wieder einsatzbereit.
Nach dem Einschalten zeigt eine im Mode-Taster integrierte Status-LED für fünf Sekunden den ungefähren Ladestand des Akkus an. Bei kritischer Akkuspannung pulsiert die LED bei eingeschalteter Lampe kontinuierlich in Rot. Leider ist diese hilfreiche Informationen in der Praxis nicht zu sehen, da sich die LED unsichtbar hinter dem verschraubten Ring befindet.
| Farbe | Ladestand |
|---|---|
| Grün | 75% – 100% |
| Grün blinkend | 50% – 75% |
| Rot | 25% – 50% |
| Rot blinkend | < 25% |
Für mich ist die Bedienung leider eine große Enttäuschung. Ein zweistufiger Taster bietet zahlreiche Möglichkeiten, die in der aktuellen Umsetzung nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft werden. Im Outdoor-Mode fehlt ein direkter Zugriff auf die niedrigste Leuchtstufe. Stattdessen müssen zunächst alle helleren Stufen durchgeschaltet werden. Hat man die niedrige Stufe erreicht, ist man bereits geblendet.
Noch unverständlicher ist die Bedienung im Tactical-Mode, der gerade für anspruchsvolle Einsätze mit stressigen Situationen gedacht ist. Um die Lampe dauerhaft einzuschalten, muss der Taster in der halben Stellung gehalten werden, während man langsam und konzentriert bis fünf zählt. Erst danach bleibt die Lampe eingeschaltet. Drückt man den Taster dabei zu weit, wird der Strobe aktiviert. Lässt man ihn zu früh los, schaltet sich die Lampe wieder aus. Eine niedrigere Helligkeit (Medium) ist überhaupt erst nach diesen fünf Sekunden erreichbar. Gleiches gilt für das SOS- oder Blink-Signal.
Hier ein Vorschlag für eine einfache, aber dennoch vielseitige Bedienung mit direktem Zugriff auf die wichtigsten Funktionen. Über die Mode-Taste könnten auch programmierbare Funktionen (z.B. angepasste Leuchtstufen) realisiert werden.
| Zustand | Aktion | Funktion |
|---|---|---|
| Aus | Halb drücken | Einschalten in Moonlight |
| Ganz drücken | Einschalten (zuletzt genutzte Helligkeit) | |
| Halb halten | Momentanbetrieb in zuletzt genutzter Helligkeit | |
| Ganz halten | Momentanbetrieb im Turbo | |
| An | Halb drücken | Helligkeit ändern (Moonlight → Eco → Low → Mid → High → Turbo) |
| Ganz drücken | Ausschalten | |
| Halb halten | Helligkeit ändern (Turbo → High → Mid → Low → Eco → Moonlight) | |
| Ganz halten | Momentanbetrieb im Turbo |
Die Tastensperre über einen separaten Schalter ist eine praktische Lösung – zumindest in der Theorie. In der Praxis ist der winzige Schalter jedoch nur schwer zu bedienen, erst recht mit Handschuhen und im Dunkeln.
Die Handhabung der Lampe gefällt mir ansonsten sehr gut. Der Taster ist einfach zu finden und leicht zu drücken. Die Größe ist angenehm, auch wenn man Handschuhe trägt.
Lichtbild
Das Licht wird von einer LMP LHP73B erzeugt. Diese LED besteht aus 16 kleinen Chips und überzeugt durch eine große Leuchtfläche sowie eine hohe Leistung.
In der SK31 kommt eine kaltweiße Variante mit niedriger Farbwiedergabe zum Einsatz. Das Licht wird von einem glatten Reflektor geformt, der durch ein Glas mit magentafarbener Antireflexbeschichtung geschützt ist.
Wie zu erwarten war, erweist sich diese Kombination als recht flutig. Der große Spot ist von einer breiten Corona umgeben und läuft sanft in einem hellen Spill aus. Genaues Zielen ist mit dieser Lampe also nicht erforderlich. Erfreulicherweise ist zwischen Spot und Spill nur ein geringer Farbunterschied wahrnehmbar und die Färbung ist neutral und ohne grünlichen Farbstich.
Draußen erzeugt die Lampe einen breiten Lichtteppich. Der Spot sorgt für ein bisschen zusätzliche Reichweite, insgesamt steht bei dieser Lampe aber pure Leistung im Vordergrund.
Treiber und Laufzeit
Zur Art des Treibers macht der Hersteller keine weiteren Angaben. Aus meinen Beobachten schließe ich jedoch, dass es sich vermutlich um einen Buck-Regler mit einem FET für direct-drive handelt.
| Modus | Helligkeit¹ | Laufzeit¹ | Intensität¹ (Reichweite²) | |
|---|---|---|---|---|
| Turbo | 6800 / 1150 lm | 30 s + 2 h | 39 006 cd | (395 m) |
| High | 2400 / 1150 / 710 lm | 3 min + 1:30 h + 40 min | ||
| Medium | 1150 / 660 / 350 lm | 90 min + 25 min + 70 min | ||
| Low | 350 lm | 10:30 h | ||
| Eco | 50 lm | 66 h | ||
| Moonlight | 1 lm | 500 h | ||
Gleich zu Beginn des Tests sind mir zwei Punkte aufgefallen: Zum einen werden die angegebenen 6800 lm mit dem mitgelieferten Akku wohl nicht ganz erreicht (auch wenn ich meinem Testsetup in diesem Punkt nicht komplett vertraue). Andere Nutzer berichten davon, dass sie mit leistungsstärkeren Akkus sogar eine Helligkeit von über 8000 lm erzielen.
Deutlich gravierender ist jedoch ein problematisches Verhalten im Outdoor-Mode: Wird die Lampe im Turbo ausgeschaltet, startet sie beim nächsten Einschalten zunächst in High. Erst nach etwa 30 Sekunden wechselt sie selbstständig in den Turbo.
Nach dem Stepdown zu Beginn der helleren Modi wird die Helligkeit relative lange konstant gehalten. Gegen Ende der Laufzeit erfolgt ein weiterer Stepdown, bis sich die Lampe schließlich abschaltet.
Mit leichter Kühlung wird im Turbo kurzzeitig eine Temperatur von etwa 50 °C erreicht. Danach wird die Leistung durch die Temperaturüberwachung reduziert, wodurch sich die Lampe auf knapp unter 40 °C abkühlt. Hier wäre also noch etwas Spielraum für eine höhere Dauerleistung.
Wärmebild mit Zoyi ZT-R02
Alle Helligkeitsstufen werden ohne PWM geregelt. Auch mit dem Oszilloskop konnte keine signifikante Restwelligkeit festgestellt werden.
Eine Ausnahme gibt es im Turbo: Die maximale Leistung wird offenbar per Direct-Drive über einen FET bereitgestellt. Sobald die Temperaturüberwachung eingreift, wird die Helligkeit mittels PWM reduziert, bis das Niveau des Konstantstromreglers erreicht ist.
2 s/div
Bei niedrigem Ladestand zeigt sich im Helligkeitsverlauf der niedrigen Stufen ein deutliches Dreieckssignal mit einer Periode von zwei Sekunden. Ursache hierfür ist die pulsierende Ladestandsanzeige, die möglicherweise die Referenzspannung des Reglers beeinflusst. Dieser Effekt ist auch mit bloßem Auge deutlich wahrnehmbar.
Aufgrund des doppelten Akkurohrs war eine direkte Messung des Stroms nicht möglich. Ebenso konnte die Abschaltspannung zum Schutz des Akkus vor Tiefentladung nicht ermittelt werden. Am Ende der jeweiligen Laufzeitmessungen lag die Akkuspannung jedoch jeweils knapp unter 3 V.
Fazit
Hardware hui, Software pfui – so lässt sich die Sofirn SK31 in knappen Worten zusammenfassen. Die Kombination aus einer leistungsstarken LMP LHP73B mit einem gut geregelten Treiber, ein zweistufiger Hecktaster, ein separater Schalter für die Tastensperre sowie eine verschraubte Abdichtung für den USB-C Ladeanschluss schaffen hardwareseitig perfekte Voraussetzungen für eine tolle Taschenlampe.
Umso enttäuschender fällt die Bedienung aus. Die Möglichkeiten des zweistufigen Tasters werden bei Weitem nicht ausgeschöpft. So fehlt unter anderem ein Direktzugriff auf die niedrigste und höchste Helligkeitsstufe und im Tactical Mode muss der Taster konzentriert fünf Sekunden lang halb gedrückt werden, damit die Lampe eingeschaltet bleibt. Hinzu kommen kleinere Bugs in der Firmware, welche das Erlebnis noch weiter trüben.
Es bleibt daher zu hoffen, dass Sofirn die Firmware noch einmal grundlegend überarbeitet und die Probleme mit einer zukünftigen SK31v2 beseitigt.
Die Lampe wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review stellt meine eigene Meinung dar.