Zoyi ZT-700
Beitrag
Vor einigen Monaten habe ich von Zoyi ein ZT-700 erhalten. Es handelt sich dabei um ein kompaktes Taschen-Oszilloskop mit ungewöhnlicher Zusatzausstattung.
Neben der Oszilloskop-Funktion und einem Funktionsgenerator gibt es nämlich auch Werkzeuge für die Arbeit mit ARM Cortex-M Microcontrollern.
Übersicht
Geliefert wird das Zoyi ZT-700 in einem kleinen Pappkarton zusammen mit einer englischen Bedienungsanleitung, einem Beutel, einem USB-Ladekabel und einem BNC-MCX-Adapter.
Das Gerät hat eine Größe von 104 × 69 × 28 mm und wiegt 140 g. Damit ist es definitiv eines der wenigen Oszilloskope, die bequem in eine Hosentasche passen.
Das IPS-Display hat eine Diagonale von 2,8 Zoll. Das Gehäuse besteht aus schwarzem ABS und ist von einem Kantenschutz aus TPE umgeben. Es wird über sechs Tasten bedient, wobei eine der Tasten transluzent ist und als Ladeanzeige dient. Laut Spezifikation verfügt der eingebaute Akku über eine Kapazität von 1500 mAh.
Auf der rechten Seite befinden sich ein vierpoliger JST-XH Anschluss, ein microSD-Slot sowie ein USB-C Anschluss für das Laden des integrierten Akkus und zur Datenübertragung mit einem PC.
Der Eingang für die Oszilloskop-Funktion befindet sich auf der linken Seite und ist als MCX-Buchse ausgeführt. Für die Nutzung wird also in den meisten Fällen ein Adapter von BNC auf MCX erforderlich sein. Dies macht das Gerät zwar etwas kompakter, jedoch hätte ich einen BNC-Anschluss bevorzugt. Nicht nur weil der Adapter sowieso fast immer mitgeführt werden muss, sondern auch weil ein fest integrierter BNC-Anschluss deutlich robuster ist.
Über einen Klappfuß auf der Rückseite lässt sich das Gerät in einem Winkel von etwa 60° aufstellen. Perfekt also für die kleine Bastelecke auf dem Schreibtisch.
Bei Verwendung des USB-Anschlusses sollte beachtet werden, dass USB-Port und Oszilloskopeingang eine gemeinsame Masse besitzen.
Bedienung
Nach dem Einschalten befindet man sich auf einem Startbildschirm und hat Zugriff auf sechs Anwendungen. Die Bedienung erfolgt über die sechs Tasten rechts neben dem Bildschirm.
Über den Browser lassen sich die gespeicherten Bildschirmfotos anzeigen. Die Aufnahmen werden auf der microSD-Karte gespeichert und können entweder mithilfe eines Kartenlesers oder direkt über die USB-Schnittstelle auf einen Computer übertragen werden.
Im Einstellungsmenü lassen sich einige grundlegende Einstellungen vornehmen. Wofür die Uhrzeit genutzt wird, konnte ich nicht herausfinden. Die Bilder werden jedenfalls ohne Zeitstempel gespeichert.
Je nach genutzter Anwendung unterscheidet sich die Bedienung ein wenig. So dient mal die eine, mal die andere Taste zur Bestätigung oder Auswahl eines Eintrags. Manche Aktionen erfordern einen kurzen, andere hingegen einen langen Tastendruck. Das macht die Bedienung zunächst etwas verwirrend.
Oszilloskop
Hauptfunktion des ZT-700 ist das Oszilloskop mit einer Bandbreite von 10 MHz. Es verfügt über einen Kanal und unterstützt eine Abtastrate von bis zu 48 MSa/s. Das wirkt zwar nicht besonders beeindruckend, zum Anzeigen einfacher Signale sollte es aber reichen. Schließlich handelt es sich hierbei um ein wirklich sehr kompaktes Gerät, das man eher mobil und nicht im stationären Betrieb für komplexe Aufgaben einsetzen wird.
Die Oberfläche entspricht dem typischen Aufbau eines digitalen Oszilloskops. Das Signal wird auf einem Raster mit 12 × 8 Teilungen dargestellt. In der Statusleiste am oberen Bildschirmrand werden der Betriebszustand, die eingestellte Zeitbasis, das Aufnahmefenster, der Modus des Funktionsgenerators sowie der Ladestand des Akkus angezeigt. Am unteren Bildschirmrand befinden sich Informationen zur Empfindlichkeit, zur Positionierung des Signals und zur Triggerkonfiguration.
Mit den beiden oberen Tasten werden die Parameter für Zeitbasis, Empfindlichkeit, Positionierung und Triggerposition ausgewählt. Die beiden mittleren Tasten dienen anschließend zum Ändern der jeweiligen Werte.
Ein langer Druck auf die fünfte Taste öffnet ein Konfigurationsmenü. Die Einstellungen der ersten Seite ermöglichen das Umschalten der Kopplung zwischen DC und AC, des Teilerverhältnisses zwischen 1× und 10×, des Triggermodus zwischen Auto, Normal und Single sowie des Triggermodus zwischen steigender und fallender Flanke.
Auf der zweiten Seite befinden sich Optionen für den Sampelmodus, Messfunktionen, Aktivierung der FFT-Funktion und Anpassung der Persistenz.
Die dritte Seite ermöglicht die Aktivierung einer Datenausgabe über USB sowie die Konfiguration der Datenspeicherung und des Funktionsgenerators. Über die „Extended Functions“ kann zudem die Kalibrierung gestartet, die Farbe der Signaldarstellung angepasst und die gleichzeitige Verwendung des Funktionsgenerators aktiviert werden.
Laut Bedienungsanleitung können die Daten entweder als Bitmapgrafik (BMP) oder als Rohdaten gespeichert werden. Jedoch scheint letzteres noch nicht implementiert zu sein, da sich die Einstellung nicht ändern lässt. Es soll auch eine automatische Speicherung geben, die ich jedoch nicht entdecken konnte. Somit bleibt das Speichern eines Bildschirmfotos durch Gedrückthalten der untersten Taste.
Wird der Funktionsgenerator gemeinsam mit dem Oszilloskop genutzt, ist die Bandbreite auf 5 MHz begrenzt. Dafür lassen sich die Signale direkt auf dem Gerät anzeigen.
Es können bis zu fünf Messfunktionen gleichzeitig aktiviert werden. Zur Verfügung stehen VPP, MAX, MIN, FREQ, DUTY, PRD, RMS, VAMP, +WID, -WID und VAVG.
Auch eine FFT-Funktion ist vorhanden, mit der sich das Spektrum des Signals anzeigen lässt. Es fehlen jedoch Beschriftungen und Einstellmöglichkeiten. Dadurch ist die Funktion in der Praxis leider nahezu nutzlos.
Von einem portablen Oszilloskop dieser Art erwarte ich keine umfangreiche Ausstattung an Zusatzfunktionen. Eine Cursor-Funktion wäre jedoch praktisch, um Messwerte einfacher ablesen zu können.
Funktionsgenerator
Der Funktionsgenerator… generiert Funktionen! Es stehen 22 Kurvenformen zur Auswahl, die in der Regel mit einer Frequenz von bis zu 10 kHz benutzt werden können. Der Sinus soll sogar 100 kHz schaffen, das Rechtecksignal immerhin noch 50 kHz. Neben der Frequenz lässt sich die Amplitude in Schritten von 100 mV von 0,1 bis 3 V einstellen. Manche Signale ermöglichen auch die Anpassung des Tastgrades.
Hier eine Liste der verfügbaren Kurvenformen: Sine, Square, Positive Half, Full Wave, DC, Pulse, Rising Ramp, Falling Ramp, Sinc, Trapezoidal, Lorentz, Rising Staircase, Falling Staircase, Exponential Rise, Exponential Fall, TV Signal, Noise, Staircase Sine, Negative Half, SineVer, Radar, Triangle
Auch bei 100 kHz sieht der Sinus noch ganz ordentlich aus. Gleiches gilt für das Rechtecksignal bei 50 kHz, wobei die steigende Flanke schon ein wenig schwächelt.
Die Anstiegszeit beträgt etwa 1,13 µs. Störender sind jedoch die Glitches, die in kurzen Abständen immer wieder auftreten (bitte beachten, dass die Amplitude im zweiten Bild auf 500 mV reduziert wurde, um den Glitch deutlicher hervorzuheben).
Schön ist die grafische Vorschau der Signale auf dem Display, die jedoch nur aus statischen Bildern besteht. Zu beachten ist, dass sich kein Offset einstellen lässt und auch nur positive Spannungen ausgegeben werden können.
Die Signale verlassen das Gerät über Pin 2 des vierpoligen JST-XH Anschlusses (Pin 1 ist Masse). Bei den niedrigen Frequenzen sollte der Verzicht auf einen vernünftigen Koaxialausgang vertretbar sein. Für den Anschluss an eine Schaltung muss sowieso ein Adapter gebastelt werden, da der Lieferung kein passender Stecker beiliegt.
ARM Cortex-M Tools
Die letzten beiden Funktionen sind aus meiner Sicht etwas speziell: So verfügt das ZT-700 über einen DAPLink-Adapter, mit dem sich extern angeschlossene ARM Cortex-M Microcontroller über einen per USB verbundenen PC programmieren und debuggen lassen. Das Gerät meldet sich als „DAPLink CMSIS-DAP“ mit der USB-ID 0d28:0204 und kann dann wie gewohnt genutzt werden.
Die andere Funktion ist ein „Downloader“ und ermöglicht das Programmieren von ARM Cortex-M Microcontrollern ohne einen zusätzlichen Computer. Die Firmware-Dateien im IMG-Format werden dazu auf der microSD-Karte gespeichert und können anschließend im Menü ausgewählt und auf einen Microcontroller übertragen werden. Wie genau das gehen soll, konnte ich jedoch nicht herausfinden, da manche Bereiche der Oberfläche nicht auf meine Eingaben reagiert haben.
Das Gerät wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review stellt meine eigene Meinung dar.