12 November 2023 19:27

Acebeam TAC AA

Wenn ich „taktische Taschenlampe“ höre, dann denke ich normalerweise an eine etwas größere Lampe mit ordentlicher Reichweite, hoher Helligkeit sowie direktem Zugriff auf Turbo und gegebenenfalls Strobe. Und dann gibt es da die Acebeam TAC AA, die vom Hersteller als „EDC Tactical Flashlight“ bezeichnet wird.

Schnuckelig klein liegt sie in meiner Hand, läuft mit einem Akku in AA-Größe, kommt völlig ohne Strobe, hat dafür aber eine LED mit hoher Farbwiedergabe. Also eine „taktische“ Lampe im kleinen EDC-Format, die mehr einen taktischen Eindruck erwecken soll, als dass sie wirklich taktisch ist?

Dieses Review wurde durch flashlightgo ermöglicht, von denen ich die Acebeam TAC AA für das Review erhalten habe. Der chinesische Shop führt eine Vielzahl von Herstellern und versendet international.

Lieferumfang und Hardware

Die Acebeam TAC AA kommt in einem kleinen Karton mit anscheinend leicht gummierter Oberfläche. Enthalten ist das übliche Zubehör, sogar inklusive Ersatzabdeckung für den Schalter.

  • Acebeam „ARC14500“ 14500 Li-Ion Akku mit 920 mAh (3,92 V bei Lieferung)
  • Clip (montiert)
  • USB-C Ladekabel
  • Handschlaufe
  • 2x Ersatz-O-Ring
  • Ersatz-Schalterabdeckung
  • Bedienungsanleitung (EN, CN)

Eine deutschsprachige Anleitung gibt es leider nicht. Die Bedienung ist aber auch so simpel, dass man die Anleitung gar nicht benötigt.

Zur Zeit gibt es die TAC AA in vier Farben und zwei unterschiedlichen LEDs, aber nicht in allen Kombinationen. Zu den Unterschieden der LED später mehr.

6500 K5000 K
Grau
Grün
Schwarz
Coyote

Bei einer AA bzw. 14500 Lampe erwartet man eigentlich eine kleine Größe. So überrascht die TAC AA mit einer Länge von 105 mm und einem Durchmesser von 24,8 mm. Sie wiegt 54,4 g (inklusive Clip), hinzu kommen 21 g für den Li-Ion Akku. Damit ist sie die größte meiner Lampen mit einem einzelnen AA-Akku.

Sofirn SP10 Pro | ThruNite Archer Pro | Acebeam TAC AA | Wurkkos TS10

Sie ist sogar größer als manch eine 18650-Taschenlampe, wie beispielsweise der ZebraLight SC63. Ignoriert man den verwendeten Akku, hat die TAC AA aber eine sehr angenehme Größe und Proportionen.

ZebraLight SC63 (18650) vs. Acebeam TAC AA (14500)

Fast jede freie Stelle der Lampe wurde mit klassischer, rautenförmiger Rändelung versehen. Das macht die Lampe besonders griffig. Der gezackte „Strike Bezel“ soll dafür geeignet sein, Glasscheiben einzuschlagen. Sollte er tatsächlich dazu in der Lage sein, dürfte das Verletzungsrisiko allerdings äußerst hoch sein. Immerhin sieht man gut, ob die Lampe eingeschaltet ist, wenn sie auf dem Kopf steht.

Am Ende der Lampe befindet sich der Schalter, geschützt durch einen leicht erhabenen Rand mit drei Aussparungen, damit man ihn besser mit dem Daumen erreichen kann. Eine Handschlaufe lässt sich nur im Loch des Clips befestigen.

Eigentlich ist die Form des Clips gelungen. Große Kapazität, große Öffnung und weit hinten, sodass die Lampe aus der Tasche nur wenig hervorsteht. Doch leider stößt die Öffnung genau an den Lampenkopf, sodass man den Clip jedes Mal erst ein wenig aufbiegen muss.

Schön gelöst ist die Befestigung des Clips. Er wird von der aufgeschraubten Tailcap gehalten und kann somit nicht verloren gehen.

Will man ihn jedoch entfernen, so wird es etwas mühsam. Die Tailcap besitzt ein Linksgewinde, muss also im Uhrzeigersinn gelöst werden (das passiert übrigens auch ungewollt, wenn man nach dem Akkuwechsel den Kopf der Lampe festdrehen möchte). Anschließend muss mit einem spitzen Gegenstand zuerst vorsichtig der O-Ring entfernt werden. Erst dann lässt sich der Clip abnehmen, wobei er sich gerne am Gewinde verhakt. Durch die abgeflachte Seite lässt er sich nur an einer Stelle montieren.

Der Lampenkopf besitzt ein grobes Flachgewinde. Der Clip schleift anfangs ein wenig am Kopf, was zu Kratzern führen kann.

Während sich hinten im Akkurohr eine Feder befindet, gibt es am Kopf nur einen flachen Kontakt. Daneben sitzt ein hervorstehender Pin, der als mechanischer Verpolungsschutz dient. Dadurch lassen sich ausschließlich Button-Top Akkus verwenden.

Apropos Akku: Laut Spezifikation ist die Taschenlampe sowohl mit 3,6 V Li-Ion Akkus als auch mit 1,5 V NiMH Akkus (oder Batterien) der Größe 14500/AA/Mignon kompatibel. Tatsächlich gibt es bei der Verwendung mit NiMH-Akkus allerdings eine Einschränkung (siehe „Treiber und Laufzeit“).

Wie erreicht man bei einer AA-Lampe einen Akkurohr-Durchmesser von 19 mm? Indem man die Wand zwei Millimeter dick macht. Acebeam traut der TAC AA eine Sturzhöhe von 1,5 m zu. Zudem ist sie nach IPX8 wasserdicht bis zu einer Tiefe von zwei Metern.

Die Verarbeitungsqualität ist auf hohem Niveau und einwandfrei. Alle Kanten sind sauber entgratet, die leicht matte Anodisierung macht einen guten Eindruck.

Acebeam ARC14500 Akku

Eine eingebaute Ladefunktion gibt es in der Acebeam TAC AA zwar nicht, dafür verfügt aber der mitgelieferte Li-Ion Akku über einen USB-C Anschluss zum Aufladen.

Da mir dieser kleine Akku richtig gut gefällt, stelle ich ihn in einem extra Abschnitt vor. Mit einer Länge von 50,0 mm passt er problemlos in meine Wurkkos TS10, die ebenfalls keinen Ladeanschluss hat. Der Akku wiegt 21 g und die Kapazität ist mit 920 mAh angegeben. Während des Ladevorgangs leuchtet eine LED neben dem positiven Pol in rot, nach Abschluss in grün.

Geladen wird mit bis zu 500 mA, genau richtig für einen Akku dieser Kapazität. Somit ist der Ladevorgang nach knapp zweieinhalb Stunden abgeschlossen.

Der Entladetest sieht etwas seltsam aus, da die Auflösung meines Datenloggers nicht besonders gut ist, aber für die Abschätzung der Kapazität reicht es aus. Bei einem Entladestrom von 500 mA lag die Kapazität bis 2,7 V unter Last immer noch bei 862 mAh – meiner Meinung nach ein gutes Ergebnis.

Soviel zum „ARC14500“ Akku, jetzt zurück zur Acebeam TAC AA Taschenlampe.

Bedienung und Funktion

Bedient wird die Acebeam TAC AA über einen mechanischen Heckschalter. Dabei handelt es sich um einen Forward Clicky, er schließt also bereits vor dem Klicken. Mit dieser Art ist Momentanlicht möglich, wenn man den Schalter nicht komplett durchdrückt.

Ein hervorstehender Rand schützt den Schalter vor versehentlicher Betätigung. Drei Aussparungen machen den Schalter einfacher für den Daumen erreichbar. Einiges an Kraft erfordert der Schalter ohnehin, sodass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass er versehentlich in der Tasche gedrückt wird. Durch Lockern des Kopfes kann man die Lampe aber auch mechanisch sperren.

Leider steht das Schaltergummi etwas zu weit ab, sodass die Taschenlampe nicht auf ihrem Heck stehen kann. Schade, dass dieses kleine Detail übersehen wurde, obwohl es extra in der Bedienungsanleitung erwähnt wird („Tail stand capable for area wide lighting“).

Die Bedienung ist wirklich simpel: Man tippt den Schalter solange an, bis man die gewünschte Helligkeit (Low → Medium → High → Turbo) erreicht hat und drückt den Schalter dann ganz durch, sodass er einrastet. Oder anders ausgedrückt: Schaltet man die Lampe kurz aus und wieder an, wechselt sie zur nächsten Stufe. Ist die Taschenlampe mindestens drei Sekunden lang ausgeschaltet, startet sie beim nächsten Mal mit der zuletzt genutzten Helligkeit.

Weitere Modi, wie beispielsweise einen Strobe oder SOS, gibt es bei der TAC AA nicht. Somit sind die Funktionen eher nicht so taktisch, zumal ein direkter Zugriff auf den Turbo fehlt. Aber bei einer kleinen EDC-Lampe – und das ist die TAC AA, wenn auch mit leichtem „taktischen“ Touch – vermisse ich diese Funktionen auch nicht so sehr.

Dank des Heckschalters braucht man nicht lange nach ihm suchen. Praktisch wenn es mal schnell gehen soll. Nur muss man darauf achten, dass die Lampe mindestens drei Sekunden lang aus ist, da sie sonst die Helligkeit ändert. Ein Blinken, das mit der Momentanfunktion des Forward Clicky sonst gut funktioniert hätte, ist leider nicht möglich.

Der Ring an der Tailcap reicht aus, um die Lampe im „Cigar Grip“ zu nutzen, sie also zwischen Zeige- und Mittelfinger zu halten und den Taster mit dem Daumen zu bedienen.

Lichtbild

Möchte man sich die Acebeam TAC AA kaufen, hat man die Wahl zwischen zwei LEDs:

  • Kaltweiß (6500 K): Hierbei handelt es sich um eine nicht weiter benannte LED mit niedrigem Farbwiedergabeindex. Die maximale Helligkeit ist mit 1000 lm angegeben.
  • Neutralweiß (5000 K): Verbaut wird hier eine Nichia 519A. Diese LED überzeugt mit einer sehr guten Farbwiedergabe und angenehmen Färbung. Die Helligkeit ist zwar nur mit 750 lm angegeben, der Unterschied fällt aber nur kaum auf (für eine Verdopplung der wahrgenommenen Helligkeit muss die Lichtquelle viermal so hell sein).

Meine Empfehlung geht klar zur Nichia 519A, da die gute Farbwiedergabe in der Praxis deutliche Vorteile bringt. Besonders rötliche Farben lassen sich damit viel besser erkennen. Für dieses Review hatte ich ebenfalls die neutralweiße Variante mit Nichia 519A gewählt.

Das Licht wird über einen glatten und tiefen Reflektor gebündelt. Laut Bedienungsanleitung soll davor eine Scheibe aus Polycarbonat sitzen, meiner Meinung nach ist es aber normales Glas. Ob das Glas entspiegelt ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Wenn, dann ist die Entspiegelung äußerst unauffällig.

Der Spot ist von einer weichen Corona umgeben. Durch den tiefen Reflektor ist der Spill recht eng, aber noch brauchbar. Außerhalb des Spills gibt es noch ein paar dezente Ringe, die aber so dunkel sind, dass man sie auf dem Foto nicht richtig sieht.

Sowohl draußen als auch drinnen ist das Lichtbild recht universell zu verwenden. Halt so, wie man es von einer EDC-Lampe erwartet.

Treiber und Laufzeit

Von der Qualität des Treibers bin ich leider etwas enttäuscht, soviel vorweg. Die Herstellerangaben – hier für die Variante mit Nichia 519A – klingen erstmal noch ganz gut:

¹ Herstellerangabe      ² Nach ANSI FL1
ModusHelligkeit¹Laufzeit¹Intensität¹ (Reichweite²)
Turbo 750/400 lm 35 s + 49 min 10 000 cd (200 m)
High 200 lm 2 h
Medium 40 lm 14 h
Low 5 lm 58 h

Das bezieht sich aber nur auf den Betrieb mit Li-Ion Akkus. Für NiMH-Akkus gibt es leider keine weiteren Angaben. In meinen Laufzeitmessungen sind mir dann folgende Punkte aufgefallen:

  • Beim Betrieb mit Li-Ion Akkus nimmt die Helligkeit kontinuierlich ab. Daraus ist zu schließen, dass der Treiber keinen Konstantstromregler hat, den ich bei einer Lampe von Acebeam erwartet hätte.
  • Verwendet man NiMH-Akkus, sind die Modi völlig durcheinander. Statt Low → Medium → High → Turbo durchläuft man mit NiMH-Akkus nämlich Low → Ultra-Low → High → Turbo. Medium fehlt komplett. Das wurde mir übrigens auch von anderen Käufern und von Acebeam selbst bestätigt.

Mit beiden Akkutypen wird die Helligkeit im Turbo nach 35 s reduziert. Die Lampe erreicht in dieser Zeit gerade mal 35 °C. Die Laufzeitangaben passen aber genau zu meinen Messungen.

Die Low-Messungen habe ich nach kurzer Zeit abgebrochen, da mein Messgerät die niedrige Helligkeit kaum messen konnte.

In der Messung mit dem Oszilloskop ist dann klar geworden, dass die Helligkeit in allen Stufen (inklusive Turbo!) und bei allen Akkutypen mittels PWM bei 20 kHz geregelt wird. Sieht ganz so aus, als würde die LED mittels direct-drive betrieben werden und der Boostregler für NiMH-Akkus lediglich die Spannung auf Li-Ion Niveau anheben. Möglicherweise hat Acebeam festgestellt, dass reiner direct-drive-Betrieb zu viel für die LED wäre, weshalb auch im Turbo PWM genutzt wird.

Laut Bedienungsanleitung müsste es eine Warnung bei niedrigem Ladestand geben („Low battery voltage warning alerts you to charging or replacing battery“), davon konnte ich in meinen Tests aber nichts beobachten. Am Ende schaltet die Lampe einfach ab (bei Li-Ion etwa bei 2,7 V und bei NiMH etwa bei 0,9 V). Genaue Strommessungen konnte ich (noch) nicht durchführen, da die zuverlässige Kontaktierung ohne Akkurohr schwierig ist.

Fazit

Ignoriert man das „taktisch“ in der Produktbeschreibung, dann ist die Acebeam TAC AA eine nette EDC-Taschenlampe. Etwas groß für eine Lampe im AA-Format, aber dafür liegt sie gut in der Hand. Die Nichia 519A LED ist einfach herrlich und das Lichtbild überzeugt durch den recht universellen Charakter mit guter Reichweite. Die Verarbeitung ist hervorragend und sie macht einen robusten Eindruck.

Kritik gibt es aber beim Treiber: Einfache Regelung mittels PWM und beim NiMH-Betrieb sind die Modi völlig durcheinander. Wirklich schade, denn sie hätte sich sonst wirklich gut als robuste und zuverlässige AA-Lampe für Freunde und Familie gemacht. Es ist mir ein Rätsel, warum Acebeam die Modi so versaut hat.

So kann sich die Acebeam TAC AA leider nur schwer von günstigeren Lampen anderer Hersteller abheben. Braucht man unbedingt die Unterstützung von Li-Ion und NiMH-Akkus und kann man mit dem fehlenden Medium-Modus leben, kann man sie dennoch in die engere Auswahl ziehen, denn allzu viele Lampen gibt es in dieser Kategorie nicht.

Neugierig geworden? Acebeam TAC AA bei flashlightgo.

Die Lampe wurde mir von flashlightgo kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review spiegelt meine eigene Meinung wider.

Kommentare

Matt, 17.11.2023 07:40
Very thorough review! Thank you!
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