7 Januar 2022 18:34

Hell, heller, Imalent RS50

„Manchmal darf es ruhig auch etwas mehr sein.“ – Taschenlampen. Eigentlich reicht mir draußen schwaches Licht (unter 100 lm), aber dann kommt man in eine Situation, in der das nicht mehr reicht. Wenn man dann die Nacht zum Tage machen könnte …

Ob das mit der neuen Imalent RS50 geht? Sie verspricht bis zu 20.000 lm und über 1000 m Reichweite bei immer noch recht kompakten Abmessungen. Ob sie das wirklich schafft?

Lieferumfang und Inbetriebnahme

Man erhält die Lampe in einer aufwändigen Karton-Verpackung mit Schieber und Magnetverschluss.

Lieferumfang

Im Lieferumfang enthalten sind:

  • Taschenlampe
  • Heat Shield
  • Drei geschützte 21700 Li-Ion-Akkus mit jeweils 4000 mAh (4,15 V bei Erhalt)
  • Zwei (!) Ladekabel
  • Holster
  • Zwei Ersatz-O-Ringe
  • Eine Ersatz-Schraube für den Heat Shield
  • Anleitung in acht Sprachen (EN, CN, DE, IT, JP, KR, FR, ???)

Vor Inbetriebnahme muss die Schutzfolie auf dem Glas entfernt werden. Eine Isolationsscheibe für die Akkus gibt es nicht – die Akkus kamen voll aufgeladen an und die Lampe konnte (nach Entsperren mit dem Taster) direkt benutzt werden!

Übersicht

Schwarz anodisiertes Aluminium mit einer leichten Riffelung am Batterierohr. Alle Kanten sind sauber entgratet. Der Bezel am Lampenkopf zeigt eine dezente Crenelation, sodass man direkt sehen kann, ob die Lampe eingeschaltet ist, wenn sie mit den Emittern nach unten steht.

Imalent RS50

Sie ist gewaltig, nicht nur beim Licht. Mit einer Länge von 125 mm ist die RS50 zwar vergleichbar mit anderen „normalen“ Taschenlampen, sie hat aber einen beachtlichen Durchmesser von 74 mm. Mit dem aufsteckbaren Heat Shield kommt noch ein bisschen was dazu: 138 mm Länge und 80 mm Durchmesser.
Das merkt man auch beim Gewicht: Insgesamt 781 g bringt die RS50 auf die Wage! Dies setzt sich zusammen aus 441 g für die Lampe selbst, 123 g für den Heat Shield und 217 g für die drei Akkus.

Die Bedienung erfolgt über einen großen Seitentaster (13 mm Durchmesser), der nur minimal hervor steht und einen kurzen Betätigungsweg hat.

Großer, flacher Seitentaster

Seitlich in Höhe des Tasters befinden sich auf gegenüberliegenden Seiten zwei Aux-LEDs (rot/grün), die sowohl als Beacon zum Finden der Lampe dienen können, als auch leere Akkus und eine gesperrte Lampe signalisieren.

Zwei Status-LEDs am Kopf

Gegen Wasser soll die RS50 nach IPX8 bis 2 m Tiefe geschützt sein. Bei der Lampe selbst glaube ich das gerne, aber beim Heat Shield mit den offenen Lüftern bin ich skeptisch. Es ist allerdings nirgends etwas anderes erwähnt.

Leider sind mir auch einige Mängel aufgefallen: Im Batterierohr gibt es scharfe Grate, welche auch bei normaler Nutzung in den Schrumpfschlauch der Akkus schneiden können. Dies sind die einzigen Grate an der Lampe – eine kleine Fase hört sogar knapp daneben auf!

Scharfe Grate im Batterierohr

Bei einer der LEDs fehlt eine kleine Ecke der Silikonschicht. Vermutlich beim Einsetzen des Reflektors abgerissen. Dies beeinträchtigt die Funktionalität zwar (gerade so) nicht, sollte aber nicht passieren.

Zentrierung und beschädigte LED

Im Betrieb bildet sich auf der Innenseite der Glasscheibe ein Fleck kondensierenden Wassers. Auch nach einem Tag Silicagel konnte das Problem nicht behoben werden. Dieser Effekt tritt bei Throwern mit viel Luft im Reflektor und bei den hohen Temperaturen der LEDs aber häufiger auf. Schön ist es dennoch nicht.

Kondensierende Feuchtigkeit unter dem Glas

Insgesamt ist die Qualität in Ordnung, man sollte aber trotz des Preises keine Spitzenqualität erwarten.

Stromversorgung und Ladefunktion

Die RS50 wird mit drei parallel geschalteten 21700 Li-Ion-Akkus betrieben. Laut Anleitung soll jeder Akku in der Lage sein, bis zu 35 A abgeben zu können. Die mitgelieferten Akkus haben eine Kapazität von jeweils 4000 mAh und sind mit einer Schutzschaltung (Überlastung/Tiefentladung) ausgestattet.

Drei 21700 Li-Ion Akkus (Button-Top)

Wichtig ist, dass die Akkus am positiven Pol erhöht sind („button top“), da sich im Lampenkopf ein solider Messingring statt Federn befindet.

Messingkontakte im Kopf

Auf der anderen Seite wird der Kontakt über drei starke, dicke Federn hergestellt.

Dicke Federn am Ende

Zum Laden müssen die Akkus nicht aus der Lampe herausgenommen werden, da sie eine integrierte Ladefunktion besitzt. Dafür befinden sich an der Seite entsprechende Kontakte für das mitgelieferte, magnetische Ladekabel.

Ladekontakte

Dadurch ist die Lampe vor eindringendem Wasser geschützt und es besteht auch keine Gefahr, dass man eine Silikonabdeckung wie bei vielen anderen Lampen verliert. Man muss aufpassen, das Kabel nicht versehentlich von der Lampe zu lösen, da der magnetische Kontakt etwas locker sitzt.

Magnetisches Ladekabel

Ist jedoch das Spezialkabel kaputt, verloren oder vergessen, dann ist die interne Ladefunktion nicht mehr zu gebrauchen. Vielleicht entscheidet man sich aber sowieso dazu, die Akkus extern zu laden. Denn laut Anleitung soll das Laden der Akkus sieben Stunden dauern! Gemessen habe ich einen Ladestrom von 1,8 A mit einer Terminierung bei 4,20 V. Oder man lädt die Akkus extern mit jeweils 2 A und ist dann drei Mal so schnell wieder einsatzbereit.

Beim Laden schaltet sich die Lampe automatisch ab. Nach Lösen des Ladekabels ist sie zudem nicht mehr gesperrt. Also aufpassen, wenn man sie nach dem Laden gleich in die Tasche steckt.

USB Ladekabel mit magnetischem Kontakt

Einen gravierenden Fehler hat das Ladekabel jedoch: Die beiden Kontakte sind direkt mit Masse und 5 V vom USB-Netzteil verbunden. Durch den starken Magneten heftet sich das Ladekabel gerne an magnetische Objekte – und erzeugt dann einen Kurzschluss.

Heat Shield

20.000 lm – klar, dass es dabei heiß hergeht. Zwar regelt die Lampe ab einer gewissen Temperatur automatisch herunter um sich nicht selbst zu beschädigen, aber dennoch wird es ab 50 °C unangenehm heiß an den Händen. Die Lösung von Imalent: Ein „Heat Shield“ aus Kunststoff, der außen über die Lampe geschoben wird.

Separater „Heat Shield“

Zusätzlich sind seitlich zwei Lüfter integriert, welche für eine gewisse Luftzirkulation sorgen. Dadurch wird die Lampe zwar nicht wirklich kühler (und regelt somit genauso schnell herunter), aber sie ist bis zum Schluss noch angenehm zu halten. Ich hätte nicht gedacht, dass der Heat Shield einen so deutlichen Unterschied macht.

Zwei Lüfter im Heat Shield

Um die Lüfter zu betreiben befindet sich im Boden des Heat Shield ein eigener Akku, der ebenfalls über magnetische Kontakte geladen wird. Deswegen sind auch zwei Ladekabel im Lieferumfang enthalten! Das Laden dauert bei 1 A Ladestrom etwa 1,5–2 Stunden. Ist der Akku (nach nicht ganz zwei Stunden) leer, gibt es auch keine Luft mehr. Oder auch: Ist einer der beiden Akkus leer, ist es entweder heiß oder dunkel. Also immer dran denken, beide Akkus zu laden.

Die Lüfter müssen über einen Taster am Boden separat eingeschaltet werden. Dieser wird leider leicht unbeabsichtigt betätigt, beispielsweise in der Tasche oder beim Hinstellen auf einem unebenen Untergrund. Eine Sperrfunktion gibt es nicht.

Hier ist also noch Spielraum für Verbesserungen. Beispielsweise Kontakte an der Lampe, sodass der Heat Shield seinen Strom aus der Lampe bezieht und durch den integrierten Temperatursensor auch automatisch eingeschaltet wird.

Eine kleine Designänderung würde auch den Tailstand deutlich verbessern, der mit dem Heat Shield etwas wackelig ist. Dabei könnte man die Form auch gleich etwas kantiger machen, damit die Lampe im Liegen nicht so leicht wegrollen kann.

Der Heat Shield mit eigenen Ladekontakten und Schalter

Durch den Heat Shield wird gleichzeitig der Schalter der Lampe besser vor versehentlichem Betätigen geschützt. Dort befindet sich auch die kleine Schraube, welche Lampe und Heat Shield zusammenhält.

Mit dem Heat Shield ist der Schalter der Lampe gut versteckt

Versteckt werden auch die seitlichen Aux-LEDs, die man durch die Lüfter zwar noch erahnen kann, aber doch etwas schwach.

Imalent RS50 im Heat Shield

Trotz des Optimierungspotentials erfüllt der Heat Shield seinen Zweck ganz ordentlich. Ohne ihn kann man die Lampe bei voller Leistung nicht lange in der Hand halten.

Lustig: Der Heat Shield hat prominent eine Seriennummer aufgedruckt – auf der Lampe selbst konnte ich jedoch keine entdecken.

Bedienung und Handhabung

Viel Leistung, aber einfache Bedienung. Eine Anleitung ist fast nicht erforderlich:

  • Kurzes Drücken (1C): Ein- und ausschalten. Die letzte Helligkeit (außer Turbo) bleibt gespeichert.
  • Doppeltes Drücken (2C): Turbo; erneut 2C Strobe; 1C aus (man kommt nicht zur vorherigen Helligkeit zurück)
  • Dreifaches Drücken (3C): Low 1
  • Vierfaches Drücken (4C) von aus: Tastensperre
  • Halten (1H) von an: Stufen durchschalten (Low 1, Low 2, Med 1, Med 2, High)
  • Halten (1H) von aus: Aux-LEDs ein- und ausschalten

3C für die niedrigste Stufe ist etwas gewöhnungsbedürftig, da man diese Funktion sonst fast immer auf 1H findet. Auch vermisse ich eine Möglichkeit, vom Turbo zurück zur vorherigen Helligkeit zu gelangen. Hier muss man die Lampe immer kurz ausschalten.

Aufgrund des großen Durchmessers könnte ein sicherer Halt bei kleinen Händen grenzwertig werden. Leider gibt es auch keine Befestigungsmöglichkeiten. Keinen Clip, keine Ösen für eine Handschlaufe oder Trageriemen und auch kein Stativgewinde oder ähnliches. Auch bei großen Händen fühlt sich die Lampe etwas sperrig an und man befürchtet ständig, dass sie aus der Hand rutscht.

Lässt sich gerade so umfassen … … und beim Schalten wird der Halt schon grenzwertig

Da man sich die Lampe nicht umhängen kann und sie in der Jackentasche etwas dick aufträgt, bleibt nur noch das mitgelieferte Holster. Dieses macht einen robusten Eindruck. Der Zugriff auf die Lampe ist natürlich etwas langsamer.

Holster für den Transport

Auf der Rückseite des Holsters befinden sich eine Klettschlaufe und ein D-Ring zur Befestigung. Für einen Gürtel ist die Klettschlaufe etwas zu kurz (800 g sind am Gürtel auch nicht angenehm!) und dürfte eher für ein MOLLE-System gedacht sein.

Klettschlaufe und D-Ring

Jedoch gibt es einen Konstruktionsfehler: Das Holster ist unten komplett offen. Während die Lampe mit Heat Shield genau passt, rutscht sie ohne Heat Shield nach unten raus (aber nicht ganz durch). Wäre das Holster unten geschlossen, wäre dieses Problem behoben und es würde auch gleichzeitig den Lüfter-Schalter schützen.

Ohne Heat Shield rutscht die Lampe unten heraus

Lichtbild

Ganze acht Cree XHP50.3 HI LEDs sitzen in einem Multi-Reflektor. Diese LEDs vereinen hohe Leistung und kleine Leuchtfläche, sodass theoretisch eine ganz ordentliche Reichweite möglich ist. Allerdings braucht es dafür einen größeren und tieferen Reflektor. Die LEDs liefern ein kaltweißes Licht von geschätzt 6500 K.

Acht Cree XHP50.3 HI LEDs

Laut Hersteller soll die RS50 bis zu 20.000 lm schaffen. Das halte ich nach einem Vergleich mit anderen Lampen für etwas sehr optimistisch, aber genau messen kann ich es nicht. Auch wenn die Lampe als „Throw King“ und „Long Distance Monster“ bezeichnet wird, empfinde ich sie als ziemlich flutig. Trotzdem erkennt man auf der weißen Wand einen ordentlichen Spot. Kein Präzisionswerkzeug, sondern einfach nur pure Helligkeit. Macht schon Spaß.

Laut Hersteller liegen die Stufen bei 300, 600, 1800, 3500, 6500 und 20.000 lm mit einer Intensität von bis zu 336 kcd.

Stufe 1: Low 1 Stufe 2: Low 2 Stufe 3: Medium 1 Stufe 4: Medium 2 Stufe 5: High Stufe 6: Turbo

Leider habe ich keine gleichwertigen Taschenlampen für einen Vergleich. Im folgenden Bild ist eine Wurkkos TS30S mit Luminus SBT90.2 zu sehen. Gleiche Reichweite, aber deutlich weniger Licht im Nahbereich.

Zum Vergleich: Wurkkos TS30S

Treiber und Laufzeit

In der Laufzeitmessung sieht man, wie viel man von den „20.000 lm“ wirklich hat. Schon nach wenigen Sekunden fällt die Helligkeit deutlich ab und nach einer Minute bleiben nur noch knapp 30% übrig. Diese werden aber immerhin halbwegs gehalten (auch wenn die Helligkeit ständig weiter ein wenig abfällt) und man kann auch wieder in den Turbo schalten, wenn sich die Lampe ausreichend abgekühlt hat.

Die volle Helligkeit wird man aber erst nach erneutem Aufladen der Akkus erreichen können, denn in der Lampe wird ein Direct-Drive-FET-Treiber verwendet. Das heißt, dass die maximale Helligkeit von der Akkuspannung abhängig ist und somit im Verlauf immer weiter abnimmt. Die Helligkeit wird dann über PWM bei 21 kHz reguliert. Hier hat Imalent gespart und die LEDs in der 3 V Konfiguration genommen anstatt in der 6 V oder 12 V Version zusammen mit einem ordentlichen Boost-Treiber.

Gegen Tiefentladung sind die Akkus gleich doppelt geschützt: Einerseits durch die Schutzelektronik in den Akkus, andererseits schaltet die Lampe bei 2,89 V ab. Der Ruhestrom bei ausgeschalteter Lampe beträgt 32 μA.

Fazit

So viel Licht in der Hand zu haben macht schon Spaß und ich kann mir Szenarien vorstellen, in denen das auch sinnvoll ist. Hauptsächlich ist es aber eine Lampe, um sich und andere in Staunen zu versetzen. Für den saftigen Preis von immerhin 250 € hätte ich mir aber einen besseren Treiber und mehr Wert fürs Detail erhofft.

Die Lampe wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review spiegelt meine eigene Meinung wider.

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