Zoyi ZT-XC1
Beitrag
Bei der Arbeit mit elektronischen Schaltungen ist es oft nötig, die Werte von passiven Bauteilen wie Widerständen, Kondensatoren oder Spulen zu bestimmen. In diesem Fall ist ein LCR-Meter das richtige Werkzeug.
Das Zoyi ZT-XC1 vereint Multimeter und LCR-Meter in einem kompakten Handgerät. Doch erfüllt das Gerät die Erwartungen, die man an einen solchen Allrounder stellt?
Übersicht
Das Messgerät wird zusammen mit dem Zubehör in einem bedruckten Pappkarton geliefert. Der Karton war zusätzlich vollständig mit einer Kunststofffolie eingeschweißt.
- Messleitungen
- 2× Messadapter
- Temperaturfühler
- USB-C Ladekabel
- Bedienungsanleitung
- Beutel
Die Bedienungsanleitung liegt nur auf Englisch vor, ist jedoch verständlich geschrieben und beinhaltet viele erklärende Bilder. Ein Großteil der Bedienung ist selbsterklärend, trotzdem lohnt sich ein kurzer Blick in die Anleitung, um alle Funktionen zu entdecken.
Zuerst war ich verwundert, dass auf dem Karton „Battery Test Multimeter“ zu lesen ist. Die Verpackung wird jedoch für mehrere Produkte verwendet und die passende Version ist auf der anderen Seite zu finden.
Das Gehäuse mit einer Größe von 149 × 76 × 33 mm besteht überwiegend aus einem festen Kunststoff (ABS), der im Overmoulding-Verfahren mit einem weicheren Kunststoff (TPE) in einem hellen Blau ummantelt wurde. Das Gerät wiegt 182 g. Die Verarbeitung wirkt insgesamt sehr solide. Lediglich die Kunststoffscheibe vor dem Display zeigt sich anfällig für Kratzer.
Auf der Rückseite des Geräts befindet sich ein Ständer zum Klappen, mit dem es sich in einem Winkel von ungefähr 45° aufstellen lässt. In manchen Situationen ermöglicht dies eine bessere Sicht auf das Display. Meistens ist das jedoch gar nicht nötig, da sich das große Farbdisplay mit einer Auflösung von 320 × 240 Pixeln aus jeder Richtung gut ablesen lässt.
Hinter dem Ständer verbirgt sich ein USB-C-Anschluss. Dieser dient nicht nur zum Laden des fest eingebauten Akkus (2000 mAh LiPo), sondern auch zur Durchführung von Firmware-Updates.
Die Bedienung erfolgt über sieben übersichtlich angeordnete Tasten auf der Vorderseite. Ihre Größe und Position sagt nicht unbedingt etwas über ihre Funktion aus, wichtiger ist die Beschriftung. Die Power-Taste verfügt über eine rote Hintergrundbeleuchtung, um den laufenden Ladevorgang zu signalisieren.
Das Menü ist übersichtlich gestaltet und bietet nur einige grundlegende Einstellungen. Bei der Sprache stehen Chinesisch und Englisch zur Auswahl. Zudem lassen sich die Lautstärke des Signaltons und die Bildschirmhelligkeit anpassen. Auch die Zeit bis zum automatischen Abschalten kann eingestellt werden. Darüber hinaus gibt es Funktionen zur Kalibrierung und zum Zurücksetzen der Einstellungen.
LCR-Meter
Mit einem LCR-Meter lassen sich Widerstände, Kapazitäten und Induktivitäten messen, um wichtige Kennzahlen zu bestimmen. So können die Eigenschaften unbekannter Bauteile ermittelt oder die Werte bereits bekannter Bauteile überprüft werden.
Durch eine Messung mit vier Leitern werden Einflüsse der Messleitungen und Kontaktwiderstände reduziert. Aus diesem Grund verfügt das ZT-XC1 am LCR-Messanschluss über vier Kontakte.
Die Messung der Bauteile erfolgt über die beiden mitgelieferten Messadapter. Einer verfügt über zwei Doppelklemmen für die Nutzung mit bedrahteten Bauteilen, während die andere Variante mit einem Federstift zur Aufnahme von SMD-Bauteilen ausgestattet ist.
Die Adapter werden lediglich auf den Anschluss gesteckt und rasten nicht ein. Sie sitzen relativ locker und können sich während der Nutzung leicht lösen. Bei den Kontakten handelt es sich um Pins einfacher Stiftleisten. Gerade bei einem LCR-Meter ist jedoch ein zuverlässiger Kontakt von entscheidender Bedeutung. Die Nutzung von Messleitungen mit Klemmen ist nicht ohne Weiteres möglich.
Die Art des Bauteils wird über die Mode-Taste festgelegt. Alternativ kann eine Automatikfunktion anhand der Messwerte die wahrscheinlichste Bauteilart automatisch auswählen. Neben den primären Messgrößen Induktivität (L), Kapazität (C) und Widerstand (R) lassen sich auch die sekundären Parameter Dissipationsfaktor (D), Qualitätsfaktor (Q), äquivalenter Serienwiderstand (ESR) und Phasenwinkel (θ) anzeigen.
Für die Messung stehen die Frequenzen 100 Hz, 1 kHz und 10 kHz zur Auswahl. Als Signalspannung lässt sich zwischen 0,3 V und 0,6 V wählen. Zudem hat man die Wahl zwischen einer schnellen, mittleren und einer langsamen Messgeschwindigkeit.
Damit beschränkt sich das ZT-XC1 im Wesentlichen auf grundlegende Funktionen eines LCR-Meters. Insbesondere lässt sich das Messmodell (seriell/parallel) nicht auswählen und auch die verfügbaren Messfrequenzen und Messspannungen sind vergleichsweise begrenzt.
Multimeter
Ein langer Druck auf die LCR/DMM-Taste wechselt in den Multimeter-Modus. In diesem Modus lassen sich Spannung, Widerstand und Temperatur messen. Zusätzlich stehen ein schnell reagierender Durchgangsprüfer (latched) sowie ein Diodentest zur Verfügung. Eine Strommessung ist nicht möglich. Kapazitäten können ausschließlich im LCR-Modus gemessen werden.
Unterhalb der digitalen Messwertanzeige mit 25 000 Counts werden die Maximal-, Minimal- und Durchschnittswerte angegeben. Darunter befindet sich eine grafische Darstellung des Werteverlaufs der letzten 80 Sekunden. Erreicht die Linie den rechten Rand, wird die Anzeige zurückgesetzt. Über einen kurzen Druck der Power-Taste lässt sich die Ansicht manuell zurücksetzen.
Probleme gibt es beim automatischen Wechsel des Messbereichs. An den Umschaltpunkten kommt es zu ungültigen Messwerten, die in das Diagramm übernommen werden. Abhilfe schafft die manuelle Messbereichswahl.
Die mitgelieferten Messleitungen sind von einfacher Art. Das 65 cm lange Kabel mit einem Außendurchmesser von 3 mm fühlt sich etwas steif an. Die Spitzen (14 × 2 mm) sind in Ordnung. Aufsteckbare Schutzkappen erweitern die zulässige CAT-Messkategorie von „CAT II 600V“ auf CAT II 1000V / CAT III 600V“. Trotzdem wird das Gerät bei mir eher nur bei Kleinspannung zum Einsatz kommen.
Fazit
Das Zoyi ZT-XC1 bietet die grundlegenden Funktionen eines LCR-Meters. Es können Widerstand, Kapazität und Induktivität einschließlich einiger sekundärer Parameter gemessen werden. Einschränkungen bestehen allerdings bei den Einstellmöglichkeiten sowie bei der Kontaktierung der Prüfobjekte.
Als digitales Multimeter schlägt sich das Gerät ebenfalls ordentlich. Wer jedoch Strom messen möchte, muss auf ein anderes Messgerät zurückgreifen.
Das Gerät wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich habe keine weitere Vergütung erhalten und das Review stellt meine eigene Meinung dar.