22.11.2006, 15:15:20
Schafe, Walliser und der zweite tote Wolf
ARCOJEUX VS – Auf den Wolf an sich haben es die Walliser offenbar abgesehen: Wildhüter haben heute den zweiten Wolf erschossen. Dabei ist gar nicht sicher, ob er es war, der im September 31 Schafe gerissen hatte.
Der Wolf wurde in der Region von Arcojeux im Bezirk Monthey erschossen. Ganz in der Nähe des Ortes, wo zuvor 31 Schafe gerissen worden waren. Und da beim letzten Angriff auf Schafe festgestellt werden konnte, dass eine Wölfin am Werk gewesen war, ist klar, dass sicher zwei Wölfe sich in diesem Gebiet aufgehalten haben.
Denn der erlegte Wolf war ein Männchen. Nur, wer von beiden den 31 Schafen den Garaus machte, bleibt unklar, denn damals hatte man eine Bestimmung des Geschlechts des Räubers nicht durchführen können. Aber das scheint die Walliser Wildhüter und Schäflifans auch nicht wirklich zu interessieren.
empört reagierte dagegen die Umweltorganisation WWF auf den Abschuss. Der zuständige Walliser Staatsrat Jean-René Fournier habe sich "in skandalöser Weise über Recht und Gesetz hinweggesetzt", sagte der Geschäftsleiter des WWF Oberwallis, Ralph Manz. Jetzt will der WWF eine Strafanzeige gegen Fournier einreichen. Denn das Gericht hatte noch nicht über einen vom WWF eingereichten Aufschub der Abschussbewilligung entschieden.
Mit dieser Beschwerde sind die Walliser Behörden ganz und gar nicht einverstanden: Alle notwendigen Verfahren für den Abschuss des Wolfes seien respektiert worden und es sei im Einklang mit den zuständigen Bundesbehörden gehandelt worden. Der geforderte Aufschub der Abschussbewilligung sei infolge einer Interessenabwägung abgelehnt worden. "Die aufschiebende Wirkung würde das Wolfskonzept wirkungslos machen", hiess es von Seiten der Walliser Regierung.
Das Wolfskonzept legt das Abschussbewilligungen, Entschädigungen und Schutzmassnahmen fest. Ein Abschuss ist erlaubt, wenn ein Wolf im Umkreis von fünf Kilometern in einem Monat 25 Schafe gerissen hat. In den von Wölfen besiedelten Gebieten sollen aber Schutzmassnahmen eingeführt werden, die Vorrang haben.
Der Wolf im Chablais ist das zweite Tier im Wallis, das von Wildhütern geschossen wurde. Bereits Ende Oktober wurde eine Wölfin im Goms im Oberwallis erlegt.
http://www.blick.ch/news/schweiz/artikel49739
Der Wolf aus dem Val d'Illiez ist tot
Trotz Streit um Abschussbewilligung geschossen
Der Wolf aus dem Val d'Illiez VS, der im September über 30 Schafe gerissen haben soll, ist tot. Der WWF ist enttäuscht über den Abschuss und prüft die Möglichkeit einer Klage.
Wie die Walliser Regierung mitteilte, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um das Tier, das für die Schafsrisse verantwortlich gemacht wird. Der Wolfs-Rüde sei in der Nähe der Alp oberhalb von Collombey VS geschossen worden, wo es im September zur Attacke auf eine Schafherde gekommen war.
Damals war ein Wolf in das Gehege eingedrungen und hatte 6 Schafe getötet. Weitere 25 Schafe wurden verletzt, so dass sie später notgeschlachtet werden mussten.
Hickhack zwischen Regierung und WWF
Staatsrat Jean-René Fournier hatte darauf am 11. Oktober eine Abschussbewilligung für den Wolf aus dem Val d'Illiez erteilt. Zugleich erkannte er einem eventuellen Rekurs gegen diesen Entscheid die aufschiebende Wirkung ab.
Damit war der WWF nicht einverstanden. Seit über vier Wochen liefert sich die Tierschutzorganisation deshalb mit den Walliser Behörden ein juristisches Gefecht, um den Abschuss zu verhindern.
Umstritten war etwa die Frage, ob die Bedingungen aus dem Wolfskonzept Schweiz erfüllt waren. Gemäss Konzept darf ein Wolf abgeschossen werden, wenn das Tier innert 30 Tagen 25 oder mehr Schafe gerissen hat. Für die WWF-Experten war der Fall nicht eindeutig. Die Schafsattacke hätte aus ihrer Sicht auch das Werk mehrerer Wölfe sein können.
Mindestens zwei Wölfe im Chablais
Dies verneint die Walliser Regierung. Zwar sei heute eindeutig erwiesen, dass es im Chablais neben dem geschossenen Rüden mindestens ein zweites Tier gebe. Die genetische Analyse der Spuren zeigten aber, dass dieses zweite Tier eine Wölfin sei und die Wolfsattacke im September von einem männlichen Tier begangen worden sei.
WWF schockiert
Für den WWF ist der Fall mit dem Abschuss des Wolfes nicht vom Tisch. «Ich finde es schockierend, dass der Kanton Wallis politisch immer noch dort steht, wo er vor elf Jahren nach dem ersten Wiederauftauchen des Wolfs bereits stand», sagte der zuständige WWF-Mann Kurt Eichenberger.
An einer Sitzung mit den Hausjuristen will der WWF am Mittwoch abklären, ob und gegen wen eine Strafanzeige eingereicht werden kann.
http://tagesschau.sf.tv/content/view/full/62676